Bodenschäden


20. 11. 2017 :

LÖWE-plus-Bodenschutz in einem FFH-Gebiet der Niedersächsischen Landesforsten

Foto 1 26.Oktober.2017
Foto 2 14.November.2017 beide vom gleichen Standort aufgenommen

Löwe-plus-Bodenschutz a 20-11-2017

Löwe-plus-Bodenschutz b 20-11-2017

Wenn an diesem Fallbeispiel deutlich wird, dass Böden als ein Schutzgut, das Jahrtausende zu seiner Entwicklung benötigt, auf 25% und mehr der Waldlfäche nach Regeln zerstört werden darf, die irgendjemand als verantwortbar beschließt und als ordnungsgemäße Forstwirtschaft bezeichnet, kommt es nicht mehr darauf an, dass diese Betriebsweise auch in europäischen Schutzgebieten eine Normalität ist. Der optische Eindruck einer zerfahrenen Gasse mit Wasserlachen täuscht darüber hinweg, dass die strukturellen Verdichtungsschäden auf empfindlichen Böden kaum sichtbare Profilveränderungen durch die Großmaschinen hinterlassen und ebenfalls langfristige Schäden am Baumbestand bewirken. Herrn Bensons Standardargumente sind allgemeiner Gebrauch. Gut ausgebildete Diplomforstingenieure sollten sich an ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse erinnern und sich derartigen Situationen verweigern. Unabweisbar und betriebstechnisch wie wirtschaftlich möglich ist das Ziel, eine Bodenbeanspruchung von über 7 – 10 % der Waldfläche strikt zu vermeiden.


07. 09. 2017 :

Es kommt Bewegung in die Holzbringung, weil sich die tragödienhaften Irrwege fehlgeleiteter Harverster-Forwarder-Einsätze in den Wirtschaftswäldern längst nicht mehr verleugnen lassen und nur noch von Ignoranz pur als nachhaltiges Wirtschaften begründet werden können.

„Die Verbundpartner, die Technische Universität (TU) Dresden und die Konrad Adler GmbH & Co. KG, wollten nicht weniger erreichen als einen Flachlandseilkran zu entwickeln, der für die forstliche Bewirtschaftung bislang unerreichbare Standorte erschließt, … “ Das klingt nicht gut.

Keine Technik an sich ist negativ oder positiv zu bewerten, solange sie nicht an ihren Einsatzfolgewirkungen gemessen wird.

Jede bessere Technik hat aber auch ihre Janusköpfigkeit. Wenn mit einem Flachland-Seilkransystem auch Waldbestände erreicht werden können, die eine Holznutzung bisher nicht ermöglichten, ist eine Entwicklung analog der Seilbahnbringung im Gebirge absehbar. Einerseits wird in zähem Ringen ein oft qualitativ suboptimaler Anteil nutzungsfreier Wälder gegen irrationale Widerstände erkämpft, andererseits werden Wälder neu erschlossen, die sich bisher ungestört entwickeln konnten.

Die kritische Begleitung der technischen Entwicklung bleibt deshalb ein Muss und sollte sich vor allem auch auf den Anwendungsbereich erstrecken.

Karl-Friedrich Weber
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Mitteilung

„Praxistest bestanden: Holzrückeverfahren ohne Bodenkontakt
Flachlandseilkran transportiert Holz auf schwierigem Gelände besonders bodenschonend

Im Verbundvorhaben „Entwicklung und Prototypenbau eines Seilkransystems für den Holztransport auf nicht befahrbaren, ebenen und nassen Standorten“ entstand ein erfolgreiches und mittlerweile europaweit nachgefragtes Holzrückeverfahren. Der Flachland-Seilkran macht es erstmals möglich, Kurzholz bzw. Stammholzabschnitte ohne Bodenkontakt zu transportieren. Das ist besonders dort interessant, wo die Bodentragfähigkeit den Einsatz schwergewichtiger Forwarder nicht zulässt oder andere Erschwernisse wie z.B. munitionsbelastete Flächen vorliegen. Umfangreiche Praxisversuche im Rahmen des Vorhabens belegen die Tauglichkeit. …“

Foto: Karl-Friedrich Weber

Forwarderbringung in einem FFH-/Vogelschutzgebiet der Niedersächsischen Landesforsten im Jahr 2008.
Sind das künftig erntefähige Wälder durch Seilkran-Einsätze im Flachland?

Rückematschsee FFH-Gebiet 2008 NSachsen post 7-9-2017


01. 09. 2017 :

Wasserabfluss und Wegeunterhaltung in Wäldern

Bis heute haben 21.188 Leser auf die Themseiten zugegriffen, ein Indiz dafür, wie groß das Interesse ist.
Mehrfach wurde nach rechtlichen Quellen gefragt, auf die teilweise hingewiesen wurde.

Eine grundsätzliche Rechtsvorschrift findet sich in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) – § 12 Anforderungen an das Aufbringen und Einbringen von Materialien auf oder in den Boden.

Auszüge:

(3) Die nach § 7 des Bodenschutzgesetzes Pflichtigen haben vor dem Auf- und Einbringen die notwendigen Untersuchungen der Materialien nach den Vorgaben in Anhang 1 durchzuführen oder zu veranlassen.

(8) Vor dem Auf- und Einbringen von Materialien sollen Böden, welche die Bodenfunktion nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 und 2. des Bundes-Bodenschutzgesetzes in besonderem Maße erfüllen, ausgeschlossen werden.

Dies gilt auch für Böden im Wald, in Wasserschutzgebieten nach § 51 Absatz 1 des Wasserhaushaltsgesetzes, in Naturschutzgebieten, Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Biosphärenreservaten, Naturdenkmälern, geschützten Landschaftsbestandteilen, Natura-2000-Gebieten und gesetzlich geschützten Biotopen im Sinne des § 30 Bundesnaturschutzgesetzes sowie für die Böden in Kernzonen von Naturschutzgroßprojekten des Bundes von gesamtstaatlicher Bedeutung.


30. 05. 2016 :

Diesen argumentativen Unsinn versuchen die Verursacher derartiger Bodenschäden in die Bevölkerung zu tragen: Laichbiotope für Gelbbauchunken und Bergmolche. Wenn man diese Phraseologen befragt, wo sie denn ein konkretes Beispiel geben können und wie viele Gelbbauchunken-Populationen in Deutschland tatsächlich davon profitieren würden, ist großes Schweigen angesagt.

[ Kommentar zu einer Meinung, große Pfützen in Rückegassen seien Gelbbauch-Unken-Biotope, Kommentar zum Post „Forst-Kritiker treffen sich am Letten“, Das Nürnberger Land 27.05.2017 ]

https://n-land.de/news/lauf/forst-kritiker-treffen-sich-am-letten

30. 11. 2016 :

Der Minister und die Bodenzustandserhebung II – 2016

Bundeswaldminister Christian Schmidt ist immer gut für positive Nachrichten. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur in Berlin, hatte er sich um einige Milliarden Bäume in Deutschland vertan. Das war für die Medien ein lustiges Ereignis und kein Anlass zu ernsthafter Kritik an seiner Informationspolitik.

Problematischer ist die Vorstellung der Bodenzustandserhebung II, die er wie gewohnt zu einem kollektiven Eigenlob benutzt:

„Die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Waldbesitzerinnen, Waldbesitzer, Försterinnen und Förster wirkt. Die aktuelle BZE belegt den Erfolg der deutschen Forst- und Umweltpolitik.“

Derartige Propaganda mag heute obligatorisch sein und zur Abkehr von der Politik beitragen; wir wünschten uns von einem Minister, Fakteninformation und Lob in eigener Sache zu trennen.

Zu Sache führt Schmidt aus:

„Darüber hinaus gilt es, die nachhaltige und bodenschonende Waldwirtschaft fortzuführen – zugunsten lebendiger Waldböden und gesunder und leistungsfähiger Wälder.“

und

„Im Ergebnis sind die Wälder vergleichsweise naturnahe und ungestörte Ökosysteme.“

Sind es „naturnahe und ungestörte“ Ökosysteme? Die naturwissenschaftliche Antwort heißt nein. Der angedeutete Vergleich z.B. zur Entwicklung der Landwirtschaft, die in der Obhut desselben Ministers und in der kritischen Öffentlichkeit steht, ein Missgriff.

Zur Sache:

Wir vernehmen vieles über die Gründlichkeit der Aufnahme vieler Parameter, aber nichts über die physikalischen Bodenbelastungen und fragen deshalb beim projektleitenden Thünen-Institut nach:

„Gibt es Erkenntnisse über den Flächenanteil von Waldböden, die durch Befahren (Bestandeserschließung) oder Bodenbearbeitung (z.B. Kulturmaßnahmen auf Kahlschlägen) verdichtet oder sonst in ihrer natürlichen Bodenstruktur physikalisch verändert sind?“

Wir erhalten umgehend folgende Antwort:

„Leider können wir keine Angaben zu Flächenanteilen machen, da wir eine Satellitenbeprobung durchführen. Wir haben die Fragestellung Bodenverdichtung -befahrung bei der BZE II nicht aufgenommen.

Wenn man sich die Trockenrohdichten (TRD) anschaut, haben diese im Mittel zugenommen, was wahrscheinlich an der C Anreicherung liegt. Der Boden ist also weniger dicht geworden.

Aber insgesamt sind die Unsicherheiten der TRDs sehr hoch. Ich würde daher keine Aussagen zur Befahrung und TRD machen wollen anhand der BZE. Ich sehe auch die Dringlichkeit der Fragestellung, kann aber wenig beisteuern.“

Was nun, Herr Minister Schmidt?

Eine Bodenzustandserhebung und keine Kontrollparameter über den physikalischen Zustand der Waldböden?

Keine Ermittlung des Prozentanteils der durch Befahren strukturell zerstörten Wadböden, der von Forstleuten zwischen 20% und 30% der Waldbodenfläche geschätzt wird? – Dank der „nachhaltigen Waldbewirtschaftung der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Försterinnen und Förster“?

Herr Minister Schmidt, Sie sind nicht der einzige, der die Öffentlichkeit auf diese dreiste Weise für dumm verkauft, aber vielleicht der prominenteste.

Das Verschweigen der Wahrheit ist auch eine Lüge. Das spüren die Menschen und macht sie sauer und zornig, denn wer möchte schon für dumm verkauft werden?

Wir erwarten von Minister Schmidt keinen Satelliten-Flug, sondern nur ab und zu einen Spaziergang in die deutschen Wälder.

Bitte, Herr Minister, erinnern Sie sich im Interesse der „Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Försterinnen und Förster“:

Der größte Verlust für Ihre Waldpolitik ist die Glaubwürdigkeit. Ist sie einmal zerstört, lässt sie sich kaum wieder herstellen.

Karl-Friedrich Weber

= Kommentar zur Bodenzustandserhebung II, s. folgender Link:

http://www.bmel.de/DE/Wald-Fischerei/Waelder/_texte/Bodenzustandserhebung.html


28. 10. 2016 :

Wo die Böden zerstört sind, ist nichts mehr zu retten, sondern nur noch Schadensbegrenzung zu betreiben.

Wo Böden noch über ihre gewachsene Struktur verfügen, wie unter Teilen unserer Wälder, dürfen wir nicht zulassen, dass auch sie weitgehend unbeobachtet im Rahmen „ordnungsgemäßer, naturnaher“ und unter Einsatz „nachhaltiger“ moderner Forsttechnik zerstört werden.

Es wird Zeit, dass der Bodenschutz dort zu einem direkten Anliegen der Öffentlichkeit wird, wo ihre Sachwalter ihn nicht vollziehen.

[ 12.11.2016: ] In Niedersachsen gibt es keine Anzeichen dafür, von den bodenzerstörenden 20-m-Abständen der Rückelinien abzuweichen. Auch für derartige Bilder auf den Rückelinien wurde bisher niemand zur Verantwortung gezogen. Alles übrige ist geduldiges Papier.

rueckegasse-schlimm-i-fichtenwald-11-11-2016

[ 28.04.2017: ] Die Zerstörung der Ton-Humus-Zonen des A-Horizontes ist ein mineralisierender und damit stets auch ein problematischer Vorgang mit negativen Auswirkungen auf das System. Die Verdichtung empfindlicher Böden durch die Maschinenarbeit hat ungleich langfristigere Auswirkungen. Zerstörungen der Bodenstruktur sind in vielen Fällen irreversibel. Ob eine Kiefernsaat auf den so definierten Böden heute noch stattfindet, kann hier nicht beurteilt werden. Auf leichten Sandböden mit Einzelkornstruktur dürften Verdichtungsprobleme nicht die gleiche Gewichtung haben, wie auf Braunerden und ähnliche Bodentypen.

Bodenschäden 28-4-2017


02. 04. 2016 :

Bodenzerstörung findet auch in dramatischer Weise und vollkommen unterschätzt in europäischen Wäldern statt. Wer es als Teil einer nachhaltigen Waldwirtschaft begründet, wahrscheinlich durchschnittlich ein Drittel unserer Waldböden durch Befahren oder andere Formen der Forsttechnik zu verdichten oder ihre Struktur auf andere Weise so zu zerstören, so dass ihre Funktionen auf Dauer geschädigt sind, macht deutlich, wie sehr sich seine Wahrnehmung von der Wirklichkeit entfernt hat.


01. 02. 2016 :

Es ist die Unehrlichkeit in der Vorgehensweise, die immer wieder fassungslos macht: Seit Jahren behaupten die Forstbetriebe der Länder, die Walderschließung sei abgeschlossen. In Wirklichkeit geht der Wegeneu- und Ausbau ungebremst weiter. Ein Blick in die entsprechenden Haushaltspositionen klärt auf.


30. 01. 2016 :

Kommentar anlässlich einer auf der Website des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik GmbH (KWF GmbH) angekündigten Fachexkursion „Rückegassen zwischen Bodenschutz, Technik, Ökologie und Waldästhetik“:

http://www.kwf-tagung.org/kwf-tagung/fachexkursion/programm-2016/4-1-4-rueckegassen.html

In der verlinkten Ankündigung u.a.: „Die biologische  Vielfalt eines Standortes wird durch die Rückegassen z.B. durch die eigene Flora erhöht, vielfach entstehen gerade in Fahrgleisen neue Habitatmöglichkeiten und damit auch Ansatzpunkte für eine Strukturregeneration. Die Ästhetik einer Rückegasse ist sicherlich eine rein subjektive Frage. Frische Fahrgleise im freigelegten Mineralboden werden jedoch die Mehrheit der Waldbesucher als hässlich empfinden. Im Gegensatz dazu kann eine eingewachsene Gasse in einem Altbestand vielfach als willkommene optische Abwechslung wahrgenommen werden.“

Nachfolgend der Kommentar von Karl-Friedrich Weber:

Professor bodenlos …

Was Dr. Helmer Schack-Kirchner, Professor am Lehrstuhl für Bodenökologie an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg für 2016 für uns an Eingebungen und freudigen Überraschungen bereithält, lässt auf ein interessantes Jahr für jeden Waldliebhaber hoffen – zumindest auf ein Jahr grandioser Durchbrüche in Sachen wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Auf dem Programm der 17. Tagung des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) steht unter 4.1 „Fokusthema: Befahrung empfindlicher Standorte“ das Thema an: 4.1.4 „Rückegassen zwischen Bodenschutz, Technik, Ökologie und Waldästhetik“

Permanente Rückegassen seien die wichtigste Säule des Bodenschutzes bei der mechanisierten Holzernte, wird dort angekündigt – nun gut.

Wenn die Fahrbewegungen langfristig auf diese Linien konzentriert werde, erreiche man für den größten Teil der Waldfläche einen bodenphysikalischen Totalschutz, heißt es dort.

Ich beginne nachzudenken, z.B. über den Inhalt des Begriffes „Totalschutz“ und die Frage, was denn wohl der größte Teil der Waldfläche im Sinne seiner Definition sein könnte.

Bei Gassenabständen von 20 m wie auch heute noch in den Niedersächsischen Landesforsten als Standard im Regierungsprogramm LÖWE (Langfristige ökologische Waldentwicklung) vertreten, beträgt die rechnerische Befahrung von Waldböden pro Hektar 20%, in der Praxis mindestens 25%.

Da die Altlasten früherer Gassenabstände (in der Regel 25m oder 30m) kaum oder überhaupt nicht bei der Neuanlage des Harvester-Gassensystems berücksichtigt wurden, dürfte der tatsächliche Flächenanteil befahrener Waldböden aller Bodenempfindlichkeits-Grade im schädigungsrelevanten Zeitraum bei 30 bis 40% liegen.

Genauere Einschätzungen pro Flächeneinheit im Sinne von Vorbelastungskarten, wie von Bodenkundlern seit langem gefordert, sind seltene Ausnahmen.

Der Herr Professor (Professoren liegen fast immer richtig; sie sind schließlich Wissenschaftler) könnte dann immer noch richtig liegen, zumindest mit seiner Aussage, dass der Größte Teil … usw. –
Der größte Teil sind nämlich 51% und mehr.

Der Herr Professor mit seinem totalitären Schutzpostulat stellt im Weiteren fest, dass auf der Rückegasse der Bodenschutz nicht im Vordergrund stehe, sondern die Erhaltung ihrer technischen Befahrbarkeit.

Ich lese noch einmal und vergewissere mich, dass es sich um einen Lehrstuhl für Bodenökologie handelt, an dem der Herr Professor offenbar unbehindert wirken darf.

Sind nicht Rückegassen per materiell- und formalrechtlicher Definition Teile der Waldböden, die wiederum das unbestritten höchste Schutzgut darstellen?

Der Herr Professor erklärt dann dem zunehmend verblüfften Leser, dass „paradoxerweise“ der physikalische Schutz der Waldböden erst seit der konsequenten Einhaltung dieses Prinzips in den Fokus der Öffentlichkeit geraten sei. Da reibt sich der interessierte Leser spätestens zum ersten Mal die Äugelein.

Und er hat auch eine – selbstverständlich wissenschaftlich belegte – Erklärung bereit, wonach die intensive Nutzung der Rückegassen den Technikeinsatz im Wald z.B. durch Gleisbildung für jedermann sichtbar mache; wo doch „aus bodenökologischer Sicht“ gerade die Gleisbildung ein wenig geeigneter, „manchmal sogar irreführender Indikator zur ökologischen Bewertung einer Rückegasse“ sei.

Ups. Dieser dumme affektgesteuerte waldbesuchende naturentfremdete Mensch als Teil der Öffentlichkeit!

Die „biologische Vielfalt eines Standortes werde „durch die Rückegassen z.B. durch die eigene Flora“ erhöht. Vielfach entstehten gerade in Fahrgleisen neue Habiatmöglichkeiten „und damit auch Ansatzpunkte für eine Strukturregeneration“.

Auch über den gut klingenden Begriff „Strukturregeneration“ muss ich einmal nachdenken und wie lange eine Strukturregeneration von Löss, quartärer Geschiebelehme oder Braunerden über mesozoischen Grundgesteinen und deren Ton-Humus-Komplexen dauernd könnte.

Der Herr Professor hat jedoch Verständnis für die unwissende „Öffentlichkeit“, weil die „Ästhetik einer Rückegasse“ sicherlich eine „rein subjektive Frage“ sei, wenn „frische Fahrgleise im freigelegten Mineralboden“ für die „Mehrheit der Waldbesucher“ (immerhin mehr als 51% – unter mathematisch-wissenschaftlicher Betrachtung) nun einmal „als hässlich empfunden“ werden.

Geh´s noch heftiger?

Ja, denn „im Gegensatz dazu“, so der Herr Professor, könne „eine eingewachsene Gasse in einem Altbestand vielfach als willkommene Abwechslung wahrgenommen werden“.

Tief durchatmen, bevor wir selbst vom Wahrnehmungs- in den Denk-Modus umschalten.

Wie lautet die wissenschaftliche Aussage dieses Wissenschaftlers? Die Entwicklung von Böden mit empfindlicher Struktur dauere Jahrtausende? Ihre Zerstörung sei irreversibel?

Nein, das sagt dieser Wissenschaftler nicht. Er spricht von Totalschutz überwiegender Waldflächen. Er spricht von „willkommener optischer Abwechslung“ von Fahrspuren in Altbeständen, zumindest, wenn sie nicht mehr „frisch“ seien.

Zu seinem Exkursionsbild sagt der Herr Professor, das an diesem die „vielfältigen Aspekte an unterschiedlich ausgeprägten Fahrspuren, an Bodenprofilen und mit einfachen Bewertungsmethoden diskutiert und Entscheidungshilfen erörtert“ werden sollen.

Albert Einsteins Definition von Dummheit ist der Mangel an Überblick. Wir können den intellektuellen Zustand dieses Herrn Professors nicht beurteilen (immerhin ist er Hochschullehrer), wohl aber seine Aussagen. Entweder sind sie durch Dummheit determiniert oder aber bewusst mit einer wissenschaftlichen Attitüde belegt und auf entsprechende Wirkung ausgerichtet.

Dumme Wissenschaftlicher an Universitäten wünschen wir uns im allgemeinen nicht. Wer aber den Stand von Naturwissenschaft vorsätzlich beugt, um interessengebundene Ziele durchzusetzen, gehört auf den Prüfstand.

Lieber Cluster Forst und Holz, wir sind bezüglich der Waldentwicklungsziele der Zukunft sicher sehr oft nicht auf einer Wellenlänge. Das bring der notwendige Diskurs nun einmal mit sich, wenn es um das Ringen dessen geht, was richtig sei.

Was Herren wie Schack-Kirchner auf der Plattform des KWF für die Öffentlichkeit bereitstellen, ist bodenlos im Sinne des Wortes. Wer sich mit diesem Wertbild identifiziert, läuft Gefahr, ebenfalls als ernstzunehmender Diskutant auszufallen und allenfalls noch eine kurzweilige Figur in der nächsten Dschungel-Camp-Serie zu sein.

Karl-Friedrich Weber

Foto: Karl-Friedrich Weber

„Biotop und ästhetisches Landschaftselement“ – nach der Version von Prof. Dr. Helmer Schack-Kirchner, Lehrstuhl für Bodenökologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – in einem Buchen-Altbestand, FFH-Gebiet Nordwestlicher Elm (Foto: 2008)

Rückegasse Elm


27. 01. 2016 :

Das Jahr des Bodens ist sang- und klanglos vorübergegangen, ohne dass die Diskussion über die Bodenzerstörungen in unseren Wirtschaftswäldern zu einer wirksamen Wend geführt hätten. Viel geschrieben, viel geredet – aber was hat sich wirklich getan.

Bodenzerstörung ist irreversibel – Bodenschutz hat Vorrang vor allen anderen Belangen in und am Wald. Er ist der Schlüssel zum Verständnis dessen, was der Selbstorganisation lebendiger Systeme zu Grunde liegt. Verstanden haben es offenbar wenige. Sonst gäbe es nicht die große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit im forstbetrieblichen Geschehen.

Waldwahrheit wird dieses Thema verstärkt Diskutieren.

Karl-Friedrich Weber


05. 12. 2015 :

Wer walderfahren ist und etwas von Betriebswirtschaft versteht, der weiß, dass der Pferdeeinsatz in einem breiten forstwirtschaftlichen Einsatzspektrum die wirtschaftlichere Variante darstellt. Grundlage dieser Bewertung sind neben der reinen Rentabilitätsrechnung vor allem die Schonung des Betriebskapitals Boden, die wertschöpfende Bestandesbehandlung und das geringe Investitionsrisiko. Besitzer großer Privatwälder haben das erkannt.


19. 11. 2015 :

Das Verdichten von Waldböden durch Befahren mit schwerem Bringungsgerät gehört zu den Schäden mit der langfristigsten Folgewirkung. Die Forschung kann in gewissem Umfang Minderungstechniken entwickeln. Das Grundproblem bleibt bestehen. Gegenstand der Untersuchungen ist meist die Überwindung der Physik, was nun einmal nicht möglich ist.

Der schädigende Einfluss des Befahrens von Waldböden auf das flach streichende Feinstwurzelsystem und die Mykorrhiza zählt zu den Forschungsfeldern, die gerade erst am Anfang stehen. Sie sind aber das wesentliche Beurteilungskriterium.

Deshalb bleibt angesichts der großen Wissenslücken die Vermeidung oberster Grundsatz. Erst wenn das tatsächlich unvermeidbare Potenzial herausgearbeitet wurde, können die Möglichkeiten der Verminderung sachgerecht sein.


04. 11. 2015 :

Wie so oft im vergangenen Jahrzehnt, kommen neue oder vielmehr wiederentdeckte Erkenntnisse nicht aus der Forstwirtschaft selbst. Sie werden durch weitsichtige Forstleute, durch Naturschutzorganisationen oder ökologisch und betriebswirtschaftlich denkende Menschen hineingetragen, die beharrlich gegen die Abwehrreaktionen des Clusters ihre Argumente in den Diskurs einbringen.

Das Pferd im Wald ist in einem großen Einsatzsegment unerreicht wirtschaftlich. Statt die Harvesterentwicklung in Richtung 70-Tonner zu protegieren, trifft das Thema Pferd überwiegend auf Abwehrreaktionen.

Die Entwicklung wird jedoch zeigen: In wenigen Jahren wird Pferdeeinsatz im Rückebetrieb wieder Standard sein und alle finden sich auf dem Trittbrett wieder.

Deshalb, liebe Fuhrunternehmer, haltet noch eine Weile durch, Eure Zeit kommt.

Die Stiftung Naturlandschaft entwickelt derzeit Techniken für den Pferdeeinsatz, die das Einsatzspektrum erheblich ausweiten und die Wirtschaftlichkeit weiter erhöhen. Wir werden zeitnah darüber berichten. Pferdehalter sollten bereits jetzt Kontakt aufnehmen über stiftung@snls.de oder kweberbund@aol.com.


27. 08. 2015 :

Böden sind das höchste Schutzgut unserer Wälder. Sie sind in ihrer Komplexität das Ergebnis einer Jahrtausende dauernden natürlichen Entwicklung. Wer Böden ohne Not zerstört, aus welchen angeblichen Notwendigkeiten auch immer, ist Mitverursacher eines Vernichtungswerks.

Bodenzerstörung ist im Wertebewusstsein der Forstwirtschaft immer noch eines von vielen anderen Merkmalen und wird im forstlichen Alltag dem behaupteten Zwang eines wirtschaftlichen Einsatz der Forsttechnik untergeordnet.

Minimierung von Bodenbelastungen wird proklamiert, jedoch selten eingehalten. Der Gassenabstand in Wäldern wird immerhin in immer mehr Bundesländern auf 40 m festgesetzt, obwohl auch das die Vernichtung oder schwerer Schädigung von 10 % der Waldböden bedeutet.
Über Vermeidung wird nicht gesprochen.

Niedersachsen bildet einmal mehr das absolute Schlusslicht: Die aufgeblähte vielseitige Anweisung zur bodenschonenden Waldtechnik ist ein unlesbares Geschreibsel, unbrauchbar für die praktische Anwendung und deshalb auch weitestgehend unbeachtet.
Der 20-Meter-Gassenabstand wird als normal und daher unverzichtbar dargestellt, selbst in FFH-Lebensraumtypen.
Punkt, aus.
So einfach ist das immer noch, auch unter rot-grün.
Schlimmer geht es nicht.
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Die Initiative “Waldkritik”, vertreten durch Richard Koch, Harald Kunz und Dr. Andreas Luther haben ein Bodenschutzkonzept für den Schönbuch entwickelt, das den aktuellen Stand der Wissenschaft mit einer wirklich handhabbaren Anleitung für den forstlichen Praktiker verbindet. Da waren Sachkundige am Werk.

Immer mehr Forstleute mit teilweise jahrzehntelanger beruflicher Erfahrung, zumeist außer Dienst, schließen sich bundesweit mit engagierten Bürgern in Initiativen zusammen, um eine Arbeit zu leisten, zu der staatliche Organe und Betriebe offenbar nicht fähig oder willens sind.
Dabei sind sie an dem orientiert, was oftmals alleingelassene Forstleute vor Ort benötigen – Hilfestellung.
Alle Achtung – so muss es weiter gehen in Deutschlands Wäldern!

Karl-Friedrich Weber

Hier zum Text von „Waldkritik“ mit dem Bodenschutzkonzept für den Schönbuch-Wald:

http://www.waldkritik.de/?page_id=1193


Sehr lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Brief von Lutz Fähser an die Initiative „Waldkritik“ vom 22.08.2015, veröffentlicht unter: „Eine gewichtige Stimme zum Bodenschutzkonzept„:

„Die tatsächliche Praxis des Holztransportes vom Stubben bis zur LKW-Straße ist in Deutschland ganz überiegend unerträglich wald- und naturschädlich. Wir Förster haben uns daran gewöhnt, die Bevölkerung hat gesagt bekommen, dass es nicht anders gehe. (…)
Bei anspruchsvoller Auslegung der Naturschutz- und Forstgesetze sind solche offensichtlich schädigenden Praktiken nicht rechtmäßig. Aber die Kontrollinstanzen von amtlichem Naturschutz und ordnungsgemäßer Forstwirtschaft sind bisher kaum tätig. (…) Das Bodenproblem ist nur eines von mehreren Problemen, die in der modernen Forstwirtschaft behoben werden sollten bzw. gar nicht erst entstehen sollten.“

http://www.waldkritik.de/?tag=lutz-faehser


13. 10. 2013 :

Im Entwurf des neuen Merkblattes „Bodenschutz bei der Holzernte in den Niedersächsischen Landesforsten“ heißt es unter 3.1.3.1 u.a.: „Der Flächenanteil der Feinerschließung ist so gering wie möglich zu halten, um die Verluste an Produktionsfläche gering zu halten.“ Das klingt einsichtsvoll, entspricht LÖWE und macht Hoffnung auf Besserung.

Doch dann heißt es unter 3.1.3.3 Rückegassen: „Rückegassen sind in einem Abstand zueinander von min. 20 m (Gassenmitte zu Gassenmitte) oder einem vielfachen je nach verfahrenstechnischen Erfordernissen der Holzernte anzulegen.“

Im Entwurf des Merkblattes „Entscheidungshilfen zur Behandlung und Entwicklung von Buchenbeständen“ der Niedersächsischen Landesforsten heißt es: „Eine auf 20 m konzipierte
Erschließung ist Voraussetzung für die hochmechanisierte Holzernte.“

Das heißt im Klarttext: Wenn das sog. verfahrenstechnische Erforderniss de Harvester/Forwarder-Einsatz darstellt, werden auch künftig die Gassenabstände 2o m betragen.

Im LÖWE-Erlass von 1994 hieß es noch: unter 1.11 – Grundsätze der Planungsflexibilität: „Wegen ihrer langfristigen Gültigkeit kann die ökologisch begründete waldbauliche Zielsetzung grundsätzlich keine Rücksicht auf die zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebenen wirtschaftlichen oder technischen Möglichkeiten nehmen.“

Das ist Schnee von gestern.

So langfristig ist die langfristige ökologische Waldentwicklung (LÖWE) nun auch wieder nicht – und 20 Jahre sind doch einen ganz schön lange Zeit. Oder? Da darf man doch wohl die Feinerschließung von Beständen auch mal auf den totalen Harvestereinsatz zuschneiden, dessen Arm nun einmal eine begrenzte Reichweite hat.

Die beiden neuesten Merkblätter machen klar: Im Landeswald Niedersachsen soll sich nichts ändern.

Wie heißt es in LÖWE 2013? „Vorrangig ist die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der vollen natürlichen Leistungskraft der Waldböden. Sie bilden die Grundlage für gesunde, vielfältige und leistungsstarke Wälder.“

Ist nun der 20 m – Gassenabstand eine Minimierung oder Maximierung der Bodenschädigung?

Eines muss man den verschiedenen Autoren lassen: Sie stellen allerhöchste Ansprüche an die intellektuelle Fähigkeit ihrer Leser.

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland