Naturwaldreservate etc.

 

03. 11. 2017:

Kommentar von Karl-Friedrich Weber auf seiner Facebook-Seite „Waldwahrheit“ zum Thema Ausweisung von weiteren Waldgebieten ohne forstliche Nutzung im Rahmen der NBS:

Christoph Scherber: „Wenn weltweit 85 Prozent der Wirbeltierarten von Waldrändern beeinflusst sind, zeigt dies, dass man neue Schutzstrategien entwickeln und dafür sorgen muss, dass ausreichend große, zusammenhängende und unberührte Waldflächen erhalten bleiben.“ Dabei seien weitaus größere Waldflächen nötig als gedacht.

Diese nicht neue Erkenntnis hat die Widerständler in den Sollingforstämtern, aber auch die „noch“ Rot-Grüne Landesregierung nicht davon abgehalten, ein Buchenwald-Wildnisgebiet von wenigstens 1000 ha Größe im Rahmen der Ausweisung nutzungsfreier Wälder abzulehnen. Ein Beweis dafür, was alle großartigen Lippenbekenntnisse wert sind.

Karl-Friedrich Weber

[ = Kommentar zu folgendem Artikel:
„Studie zeigt: 85 Prozent der Wirbeltiere reagieren auf Zerteilung von Wäldern“ ]
https://idw-online.de/de/news683870

07. 10. 2017:

Ein neues Wildnisgebiet im Süntel bei Hessisch-Oldendorf
Tag der Deutschen Einheit einmal anders.

In Wahlkampfzeiten passt alles recht gut zusammen. Eine letzte Kabinettssitzung, auf der zwei Waldthemen behandelt wurden, und die grünen Minister Christian Meyer (Wald) und Stefan Wenzel (Umwelt), die eine frohe Kunde in die Öffentlichkeit tragen möchten.
Das Ergebnis der sogenannten Fortschreibung von LÖWE (Langfristige ökologische Waldentwicklung in Niedersachsen) – als LÖWE+ bezeichnet – werden wir ausführlich analysieren und bewerten.
Beim Sünteltermin ging es um das bisher einzige künftige Wildnisgebiet außerhalb des Nationalpark Harz in einer Flächengröße von 1300 Hektar. Es ist ein Teilprojekt der Ausweisung von zehn Flächenprozent holznutzungsfreier Wälder (NWE-10) in den niedersächsischen Landesforsten.

Dieses Programm der Bundesregierung im Rahmen der europäischen Biodiversitätsstrategie umzusetzen, müsste verpflichtend sein und wird doch ungenügend und höchst unterschiedlich in den Bundesländern umgesetzt.

Entscheidungsgrundlage in Niedersachsen war eine Koalitionsvereinbarung der rot-grünen Landesregierung, nachdem sich die schwarz-gelbe Vorgängerregierung mit intensiver Unterstützung forstlicher Führungskräfte strikt verweigert hatte.

Das ist grundsätzlich als politischer Erfolg zu werten. Der innere Prozess um die richtigen Flächenanteile- und -größen sowie die räumliche Verteilung im Land war indes ein subtiler Kampf mit Haken und Fußangeln bis in die landespolitische Ebene und mit letztlich unbefriedigendem Ergebnis.
Wer an welchen Strippen zog und wer das politisch innerhalb der Koalition nützlich fand, ist weitgehend bekannt. Auch darüber wird zu sprechen sein.

Es muss aber auch darüber gesprochen werden, dass der Forstamtsleiter des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf und seine Revierleiter die Ausweisung von 1300 ha holznutzugsfreier Buchenwälder auf Kalkstandorten konstruktiv unterstützt haben, nicht nur weil es für Beamte des Landes Dienstpflicht ist, während ein zweites Gebiet auf Buntsandstein-Standorten im Solling offenbar am Widerstand von Partikularinteressen der Hardliner vor Ort scheiterte.

Was für eine vertane Chance auch für das Image des forstlichen Berufstands. Kurzsichtigkeit ist eine beharrliche Eigenschaft.

Dass aber eine Landesregierung in dieser Frage beidreht und nicht auch einmal deutlich macht, wer die Führungskompetenz hat, gehört zu den enttäuschenden Erfahrungen mit sogenannter Realpolitik.

Foto und Kommentar: Karl-Friedrich Weber

Wildniswald 7-10-2017 a

Wildniswald 7-10-2017 b


10. 03. 2016:

Ich denke, dass wir die Begriffe, mit denen wir bestimmte Sachverhalte ausdrücken, sorgfältig auf ihre allgemeine Verständlichkeit prüfen müssen, weil wir sonst aneinander vorbei denken und hndeln. Das gilt z.B. auch für den Begriff „Urwald von morgen“, den es nicht geben kann. Noch problematischer ist der schillernde Begriff der Naturnähe, den jeder nach seinem Interesse gebraucht und interpretiert, vom Begriff der Nachhaltigkeit ganz zu schweigen. Möglich ist m.E. der Gebrauch des Begriffes „Wildnis“ auch für kleine verwilderte Flächen in Parks, Gärten, aufgelassenen Industrieflächen o.ä.. In den Wäldern scheint mir der Begriff des Naturwaldes allgemein verständlich zu sein, als einen Wald, in dem (weitgehend) natürliche Prozesse ablaufen können, deren Richtung wir nicht durch unsere Zielvorstellungen vorzugeben versuchen.

03. 03. 2016:

Kommentar zum Thema „Einflussnahme von Vertretern der Forst&Holz-Interessengruppen auf Städte und Gemeinden, damit diese zu Gegnern der Nationalen Biodiversitätsstrategie werden = damit diese GEGEN die Einrichtung neuer Wald-Wildnisgebiete sind“ :

„Ein „mehr an Natur“ durch Wildnisgebiete oder Naturwaldzellen könnte aber womöglich Restriktionen für den Tourismus mit sich bringen. – Diese Befürchtung hat vor einiger Zeit jedenfalls der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) formuliert.“

Einmal mehr wird deutlich, mit welcher Intensität der Cluster Forst und Holz seit geraumer Zeit versucht, seine den gesellschaftlichen Zielen entgegengesetzten Interessen durchzusetzen, in dem er subtilen Einfluss auch auf Institutionen wie den Deutschen Städte- und Gemeindebund nimmt. Ein Mittel ist Angstmache. Der Anteil nutzungsfreier Wälder wird nicht etwa als großartige Bereicherung für den Erlebnistourismus gesehen, sondern könnte womöglich Restriktionen für denselben mit sich bringen.

Dass im Einzelfall zum Schutz der Lebensvielfalt und zur Gewinnung von Erlebnisreichtum auf diesem minimalen nutzungsfreien Waldanteil lenkende Maßnahmen und ggf. auch partielle Betretensverbote erfolgen müssen, löst „Befürchtungen aus“, die offenbar so gravierend sind, dass für eine Verschiebung des Programms plädiert wird.

Man solle, so heißt es, das Ergebnis der EU-Wildnisdiskussion abwarten – das heißt die Wirkungen der aktuellen Einflussnahmen auf die Kommission vor allem der deutschen Lobby, europäische Naturschutzstandards zurückzufahren.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund übernimmt offenbar ungeprüft ein Beschlusspaket der Bundestagung Gemeinsamer Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ vom 23.11.2015 in Burbach (Siegerland).

Berichterstatter des TOP 7 „Braucht Deutschland Wildnis?“ war – wen wundert es noch, der Vielfach-Aktivist Prof. Dr. Hermann Spellmann (Direktor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen) – der von vielen Forstleuten in Deutschland inzwischen als zentrale Figur der Lobby gesehen wird.
Inzwischen kursiert in Bezug auf seine Person der Name „Spellmann überall“.

An diesem Tag hat er zumindest nicht bewirkt, einen einstimmigen Ausschussbeschluss abzuwenden, wonach das Bundesumweltministerium aufzufordern sei, die im Rahmen der Naturschutz-Offensive 2020 angekündigte Initiative in der Umweltministerkonferenz für mehr Wildnis in Deutschland zu stoppen.

Begründet wurde der Beschluss u.a. damit, dass sich die „Stilllegungspläne des BMUB und BfN gegen die Interessen der Menschen und Landnutzer mit dramatischen Folgen für Gesellschaft, Forst- und Holzwirtschaft und ländliche Regionen richte.“
Und: In Deutschland gehe es nicht vorrangig um Sachpolitik, sondern vielmehr um Machtpolitik und die Deutungshoheit über die Wälder.

In Deutschland ist es glücklicherweise Verfassungsrecht, dass jeder den größten Unsinn von sich geben darf – auch ein Ausschuss des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Wenn das nicht so wäre, hätten Politiker und Bürger in den Gemeinden keine Chance zu erkennen, mit welchem Niveau ihrer Institutionen sie es hin und wieder zu tun haben und wer welche Strippen zieht.

Das wäre nicht nur schade, sondern auch schädlich.

Karl-Friedrich Weber


27. 08. 2014 :

„Nutzung ist der beste Waldschutz“
Überschrift eines Beitrags von Michael Rolland im Holzzentralblatt Nr. 34 – August 2014.
(Rolland ist Geschäftsführer der AG Deutscher Waldbesitzerverbände AGDW – die Waldeigentümer)

Kommentar von Karl-Friedrich Weber

„Kannst du von nichts keinen Gebrauch machen, Gevatter? Ei nein, mein Söhnchen, aus nichts wird nichts“, so William Shakespeare in King Lear.

Diese Erkenntnis fällt mir ein, wenn ich die Zeilen des Herrn Rolland lese. Es geht um das BUND-Papier „Zukunftsfähige Waldwirtschaft in Deutschland“, in dem der BUND „unterschwellig einen begrifflichen und faktischen Gegensatz“ zur „egoistischen Holznutzung“ konstruiere.
„Eine einseitige Interessenlage wie der ideologische Naturschutz“ könne dies nachweisbar nicht leisten, im Gegensatz zum Waldeigentümer, der es als seine Pflicht ansehe, seinen Wald kommenden Generationen in bestmöglichem Zustand weiterzuvererben.

Und dann werden alle herkömmlichen Register gezogen: die Erhaltung der Wertschöpfung im ländlichen Raum, die Überlegenheit der bewirtschafteten Wälder gegenüber „Naturwäldern“, das Kaleidoskop weltweiter Einmaligkeit und Spitzenstellung, was Bewirtschaftung, Produktivität, Vorratsreichtum, Alter und Biodiversität betreffe. Schlussfolgerung: Das ideologische Konstrukt des BUND treffe in der Realität nicht zu.

Rolland ist sogar in der Lage, Entropie und die Emergenz von Ordnung und Komplexität natürlicher Systeme, ja sogar Naturgesetze außer Kraft zu setzen: „Nachhaltig bewirtschaftete Wälder sind zudem nachweislich gesünder, stärker und damit resistenter gegen Stürme und Schädlinge. Stillgelegte Wälder, d.h. ungepflegte und damit instabile, sind anfälliger und haben einen geringeren Kohlendioxidsenken-Effekt.“

Eine Studie habe herausgefunden, dass bei einer fünfprozentigen „Waldflächenstillegung“ ein zusätzlicher Bedarf von 1,7 Mio. Liter Heizöl entstehe. Und dann wird das übliche Zahlenkaleidoskop heruntergeschrieben – dazu noch der Verlust von bis zu 50 000 Arbeitsplätzen.

Das verschlägt dann doch selbst eingefleischten Reduktionisten den Atem. Das Universum ist vielleicht nicht gekrümmt, sondern flach. Aber flacher, als dieser Begründungswirrwarr kann es wohl kaum sein.

Wie Rolland eingangs schreibt, seien die Waldeigentümer stets an einem konstruktiven und wissensbasierten Dialog über den Wald und dessen Zukunft interessiert. Da wird es schwierig sein, bei ihm den wissensbasierten Eingang zu finden, der zudem die Frage voranstellen muss, von welchem Fundament ausgehend wir einschätzen wollen, was wir denn überhaupt wissen.

Offenbar von solchen Zweifeln unberührt, möchte man ihn fragen, warum er nicht doch besser geschwiegen hätte. Das wäre aber falsch, denn so erhalten wir Einblicke, die sonst schwer zu gewinnen wären.

Rolland stellt den markigen Satz an das Ende:

„Das Hintergrundpapier des BUND darf somit mit gutem Gewissen in die Recyclingtonne wandern.“

Na schön – und ich werde inzwischen darüber nachdenken, was denn Realität sein könnte, wie ein „stillgelegter Wald“ aussieht und was der, obwohl stillgelegt, denn noch so alles macht. Spannend.


25. 09. 2012:

Im Naturschutz- und FFH-Gebiet Rieseberg bei Königslutter.
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Dieser Buchen-Eichenwald ist aus einem bäuerlichen Mittelwald vergangener Jahrhunderte hervorgegangen. Seit 1968 fand in ihm keine Nutzung statt. Er ist weder durch Wege, noch durch Rückegassen erschlossen. In über vierzig Jahren haben sich fantastisch schöne Waldbilder entwickelt. Der alte Wald ist zu einer Persönlichkeit geworden und hat ein Gesicht bekommen. Sein Holzvorrat hat stetig zugenommen.

In Windbruchlöchern verjüngt sich der Wald durch Zufallsereignisse und zeitliche Verschiebung ungleichaltrig. Wo das Kronendach dicht geblieben ist, bleiben infolge geringen Lichteinfalles Räume ohne Verjüngung. Diese Patches sind für seltene Fledermausarten wie die Bechsteinfledermaus unverzichtbare Jagdräume. Während der Totholzanteil in den strukturreichen Altbäumen stark zugenommen hat, entwickelt sich die Nachschaffung an liegendem Totholz auch nach vierzig Jahren nur langsam, weil der Zersetzungs- und Mineralisierungsprozess in ähnlicher Geschwindigkeit verläuft.

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04. 04. 2016:

Der Rieseberg ist kein Urwald, sondern ein Laubmischwald, dessen Bestände noch die Spuren der mittelwaldartigen Nutzungsgeschichte überall erkennen lassen. Wenn ich vor meiner Haustür stehe und das Kronendach dieses seit über vierzig Jahren nutzungsfreien Bestandes sehe, fallen mir über diesen aus menschlicher Sicht bereits längeren, wenngleich nicht langen Zeitraum Gemeinsamkeiten mit Urwaldstrukturen auf.

Der österreichische Forstwissenschaftler Heinrich Reininger spricht vom rauhen Kronendach des Urwaldes als eine Folge einzelstamm- und kleingruppenweiser Ungleichaltrigkeit des Waldes. Sie resultiert aus dem einzelbaumweisen Zerfall und – altersbedingt – aus den unterschiedlichen Baumhöhen der Einzelindividuen. Es trägt aber auch die Mischung mehrerer Baumarten, dazu bei, die unterschiedliche Höhen erreichen.

Die Forsteinrichtung 1971 dieses Waldes legte fest, das große Teile der Bestände aus der Nutzung zu nehmen seien. Eine bessere Unterstützung meiner waldbaulichen Empfindung konnte ich mir als junger Revierleiter nicht vorstellen. Seit dieser Zeit erlebe ich Jahr für Jahr mit großer innerer Intensität und Aufmerksamkeit den langsamen aber kontinuierlichen Prozess der Entwicklung zu einem Naturwald und seiner Dynamik.

Der stark gegliederte Kronenraum, so wie ich ihn aus einem Kilometer Entfernung von meinem Haus erkennen und inzwischen immer besser deuten kann, zeigt mir, dass Alterstrukturen weitgehend mit Sozialstrukturen identisch sind. In ungleichaltrigen Populationen tritt der unmittelbare Konkurrenzkampf um den Zugang zum Licht zurück und wird verstärkt über den natürlichen Abgang älterer Bestandesglieder und ein Nachrücken in der Hierarchie geregelt. Reilinger schreibt in seinem Buch „Das Plenterprinzip“ (2000):

„Nur intakte Sozialstrukturen gewährleisten die volle Entfaltung des Einzelindividuums. Der Aufstieg zum Solitär ist Ausdruck von Stabilität. Mit dem artbezogenen Höchstalter werden maximale Baumhöhen und Dimensionen erreicht. Sie beeindrucken durch Qualität und ästhetische Schönheit. Damit scheint der Plan der Natur hinsichtlich eines hoch aufragenden, intakten und gut bevorrateten Waldes, in immerwährender Präsenz über die Zeit, erfüllt zu ein.“

Es braucht also seine Zeit – Jahrhunderte für die Bäume, Jahrzehnte für den Erkenntnisprozess des Försters, der am Ende seiner Dienstzeit erkennt, dass er beginnt zu verstehen, was Wald eigentlich ist, ihm aber leider nicht mehr die Zeit vergönnt ist, daraus die richtigen Folgerungen für sein Aufgabenfeld zu ziehen.

Dieser Wald auf dem Foto war bis noch vor wenigen Jahren durch Nutzungseingriffe gefährdet. Die Rückegassen für den Harvestereinsatz waren bereits markiert. Seit kurzem ist er Teil des Systems nutzungsfreier Wälder der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesrepublik Deutschland. Erst jetzt kann ich, können wir aufatmen.

Beim Schreiben dieser Zeilen sehe ich auf das heutige Datum auf meinem Rechner: Montag, der 04. April 2016.
Am Montag, den 4. April 1961 habe ich meinen Dienst als Forstpraktikant im Staatlichen Forstamt Lehre begonnen, bei einer Pflanzkolonne in den Wendhäuser Eichenwäldern.

Das ist 55 Jahre her – eigentlich keine lange Zeit …  :)

Foto: Karl-Friedrich Weber

Rieseberg 4-4-16

Frage von Silvia Roelcke: Wie kam es denn, dass schon 1971 große Teile aus der forstl Nutzung genommen wurden? Da muss wohl jemand mit Entscheidungsbefugnis den Wald sehr geliebt haben? Er hatte wohl von „Integration statt Segregation“ noch nichts gehört,,,

Antwort Herr Weber: Es war der Forsteinrichter Falk Lutosch, der mit dem damaligen Forstamtsleiter Arnold Lagemann festlegte, dass die alten Waldteile des Riesebergs wegen ihrer besonderen Struktur, Schönheit und ökologischen Bedeutung aus der Nutzung genommen werden sollten. Während heute nutzungsfreie Wälder gegen den Widerstand führender Forstleute und der Ministerialbürokratie geradezu erkämpft und politisch durchgesetzt werden mussten und wie in Bayern immer noch müssen, war es damals Einsicht und Eigenbindung, die überhaupt nicht besonders diskutiert wurden, sondern in der sog. Schlussbereisung jedem Forstmann einsichtig waren. Die Phraseologie von heute, mit der die nachhaltigsten Zerstörungen zur ökologisch nachhaltigen Waldwirtschaft deklariert werden, war unbekannt.

Frage S. R.: Sehr schön schreiben Sie „Es braucht also seine Zeit – Jahrhunderte für die Bäume, Jahrzehnte für den Erkenntnisprozess des Försters, der am Ende seiner Dienstzeit erkennt, dass er beginnt zu verstehen, was Wald eigentlich ist, ihm aber leider nicht mehr die Zeit vergönnt ist, daraus die richtigen Folgerungen für sein Aufgabenfeld zu ziehen.“ – da kommt mir in den Sinn: Große Firmen versuchen, das „Expertenwissen“ der alten, erfahrenen Mitarbeiter noch „einzusammeln“, bevor diese sich in den Ruhestand verabschieden. Gibt es so etwas denn auch in der Forstwirtschaft? lohnend wäre das ja

Antwort:  K-F W.: Das ist eher selten – es gibt sie aber, Kollegen im Dienst, die Erfahrungen von älteren Kollegen abfragen. Bezeichnend ist, dass regelmäßig Vertraulichkeit über derartige Gespräche vereinbart werden muss, um diese nicht nach deren eigenem Empfinden in Schwierigkeiten zu bringen. Es werden auch Außentermine in Wäldern anderer Besitzarten als dem eigenen Revier wahrgenommen, um nicht gemeinsam gesehen zu werden. Die Verantwortlichen der krassen Fach- und Rechtsverstöße, über die immer wieder berichtet wird, sind nicht darunter. Für die sind Fachmeinungen und Kritiken an konkret festzumachenden Tatbeständen durch ältere Mitarbeiter polemische Halbwahrheiten. Und mit diesen muss man sich nicht auseinandersetzen … 


21. 04. 2016:

Es dauert einige Jahrzehnte, bis sich in holznutzungsfrei gestellten Wälder der Starktotholzanteil signifikant erhöht. Dann aber formen sich Bilder von großer Schönheit und Erhabenheit.

Diese alten Waldteile des Riesebergs sind im Rahmen der Ausweisung nutzungsfreier Wälder nach jahrelanger Unsicherheit gesichert worden. Es ist ein Verdienst der gegenwärtigen Landesregierung und des Waldministers Christian Meyer, dass er sich entgegen starker und bis zuletzt verdeckter Widerstände durchgesetzt hat.

Foto:  Karl-Friedrich Weber

Rieseberg 21-4-2016 a

Rieseberg 21-4-2016 i

Rieseberg 21-4-2016 h

Rieseberg 21-4-2016 g

Rieseberg 21-4-2016 f


22. 01. 2017:

Für den alten Buchen-Titan war die Zeit gekommen, sich zur Ruhe zu legen. Ist er damit stillgelegt, wie waldunkundige die Wälder bezeichnen, die aus der Holznutzung genommen werden? Die Zunderschwämme sind da kompetenter. Sie bleiben ihrem Wirtsbaum so lange treu, bis deren Ablösung durch andere Arten erfolgt, wie dem Ästigen Stachelbart oder Laubholz-Harzporling, für die sie die Besiedlungsgrundlage bilden.

Da ihre Fruchtkörper stets waagrecht aus dem Stamm wachsen, können wir auf dem Foto sehr schön unterscheiden, welche schon am stehenden Stamm vorhanden waren und welche später aus dem liegenden Stamm wuchsen.

Foto: Karl-Friedrich Weber

Zunderschwamm-Stamm liegend 22-1-2017

Mulmtaschen wie an dieser im Sturm gebrochenen Altbuche sind ganze Welten für sich. Es ist die Welt der Pelzkäfer, Diebskäfer, Schwarzkäfer, der Tintlinge und Mürblinge, der Hautflügler, Spinnen und ungezählter anderer Tierarten und Pilze.

Lange Jahre vor dem Abbruch, war die Mulmtasche ein Wassertopf, in dem sich Luftwurzeln entwickelten.

Können wir diesen Baum als krank bezeichnen, wenn er eine der Merkmale gesunder Waldökosysteme kennzeichnet? Ist er tot, wenn er abgestorben ist?

Foto: Karl-Friedrich Weber

Mulmtasche m Luftwurzeln 22-1-2017

Mulmtasche m Luftwurzeln 22-1-2017 Detail—-

 Zunahme von Komplexität und Struktur nach 40 Jahren Hiebsruhe ….

Foto: Karl-Friedrich Weber
Naturwald der Stiftung Naturlandschaft

Naturwald 22-1-2017 a

Naturwald 22-1-2017 Detail


1-5-2017 morgendlicher Überblick alter Eichenmischwald

 

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland