Waldbau Beispiele und Gedanken

Waldbau – Beispiele und Gedanken         

15. 02. 2018:

ein ganz anderes Beispiel aus einem FFH-Gebiet …

Dieser ca. 57jährige Eichen-Hainbuchen-Buchen-Bergahon-Kirschen-Mischbestand wurde bisher lediglich zweimal durchforstet. Mitte der 1980er Jahre ließ ich den Stockausschlag der Traubeneiche vereinzeln. Das Ergebnis Jahrzehnte später sind sehr gute Schaftformen.

2004 wurde der Bestandesschluss von der Forsteinrichtung als „gedrängt“ (1.1) bezeichnet. Was in der Forsteinrichtung als Durchforstungsrückstand bzw. als „dringend pflegebedürftig“ definiert wird, ist in wichtigen Phasen und vielen Fällen der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Diesen Abschnitt individuell zu erkennen, ist anspruchsvoll und kennzeichnet Intuition als wichtige Voraussetzung für qualifiziertes waldbauliches Handeln.

Mein Nachfolger führte die zweite Bestandespflege vor ca. zehn Jahren durch. Das war alles. Ein Harvester-Forwarder-Gespann ist bis heute nicht in diesen Bestand gekommen.

Den Rest besorgte die sogenannte „biologische Automatisation“. Hinter diesem holperigen Begriff verbirgt sich immerhin der weiterführende Gedanke, dass die natürliche Dynamik in kostenmindernder Weise wirtschaftliche positive Effekte erzielt.

Wenn eine über hundertjährige Forstwirtschaft es bis heute nicht vermocht hat, den Wertholzanteil von gegenwärtig ca. 5% gegenüber Urwäldern (nach dem Forstwissenschaftler Stefan Korpel bis 50%) wenigstens auf 10% zu erhöhen, liegt der Schlüssel in der fehlerhaften Gründung und nachfolgenden Behandlung von Jungbeständen im Altersklassenwald.

Ein betroffen machender Erfahrungs- und damit Wissensmangel handelnder Forstleute mag einer der Gründe sein. Wo aber keine Erfahrung entsteht, kann diese auch nicht weitergegeben werden. Da ist qualifizierte Führung gefragt.

Indem u.a. in den Niedersächsischen Landesforsten weiterhin Reviere aufgelöst und andere entsprechend vergrößert werden, gleichzeitig der Nimbus von Allkompetenz durch Führungskräfte weiterentwickelt wird, die ihre eigenen Defizite nicht erkennen, wird sich kaum wesentliches ändern.

Und die Politik schaut parteiübergreifend zu und lässt sich mit der Abführung einiger Millionen EURO „stilllegen“, schwächt durch ihre durch die Lobby gelenkten Entscheidungen jegliche öffentliche und behördliche Kontrollfunktionen und geht jeder Zweckbegründung mangels eigenen Durchblicks auf den Leim.

Eine Lösung scheint auch unter der rot-schwarzen Landesregierung nicht in Sicht. Die sich in Wahlkampfzeiten interessiert zeigten, schweigen nun. Alles wie gehabt.

Und der Frust der Öffentlichkeit wächst.

Karl-Friedrich Weber

Fotos: Karl-Friedrich Weber, Februar 2018

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11.10. 2017:

Vor einigen Tagen habe ich einen Bestand aufgesucht, den ich vor 35 Jahren nach einem 0,3 ha großen Fichtenabtrieb bepflanzen ließ – Bergahorn und Bergulme sollten einen Buchengrundbestand ergänzen. Anerkanntes Buchenpflanzgut konnte in diesem Jahr nicht beschafft werden. Die Buche sollte im folgenden Jahr nachgepflanzt werden. Das unterblieb jedoch, was ich damals den herrschenden Vorstellungen entsprechend als einen waldbaulichen Fehler betrachtete.

35 Jahre danach finde ich wüchsige gutgeschäfteten Bergahorn vor, zu dem sich Esche aus Naturverjüngung gesellt hat. Eine Traubeneiche mit guter Stammform fällt mir sofort ins Auge (Bild 1). Sie war weder gepflanzt worden, noch gab es einen Ausgangsbestand auf der Fläche. Sie war nicht die einzige.

Auf der gesamten Fläche hat sich die Rotbuche aus Naturverjüngung eingestellt. Der Vorsprung des Edellaubholzes und einzelner Eichen wäre nicht möglich geworden, wenn ich die Rotbuche zeitgleich eingebracht hätte. So wurden erhebliche Pflanzkosten vermieden und ohne jede Pflege trotzdem eine Bestandesstruktur erreicht, die idealer kaum sein könnte.

Zeit ist im Waldbau alles, Ungeduld nichts. Wirtschaftlichkeit entsteht aus Vermeidung von Kosten.

Die forstliche Keimruhe, die heute so fehlt, wieder zu suchen und sogar zu finden, wäre nicht nur ein erstrebenswertes, sondern notwendiges Ziel.

„Die Natur macht nichts vergeblich“ – Dieser Satz des Aristoteles gilt heute wie vor 2.300 Jahren.

Foto: Karl-Friedrich Weber

Laubwaldbau m Zufall 11-10-2017 a

Laubwaldbau m Zufall 11-10-2017 b

Laubwaldbau m Zufall 11-10-2017 c


06. 10. 2017:

Nach dem Orkan …

Nach einem Orkan können wir nicht nur in den Wäldern viele Folgen registrieren. Fast alles, was wir wahrnehmen, gleichen wir mit unseren vermeintlichen Erfahrungen ab und bewerten dann das Ergebnis. Mir geht es nicht anders.

Ich habe heute bei meinem kleinen Waldrundgang einmal mehr bestätigt gefunden, dass zum Beispiel in einem sehr alten Laubbaumbestand der Astbruch ausschließlich gesunde Bäume betraf. Geworfen wurden einige alte Buchen ohne erkennbare Schäden, während stehendes Totholz auch danach stehendes Totholz blieb.
Also die Bestätigung meiner jahrelangen Beobachtungen? Oder sind es etwa doch Vorurteile, die zur Gewissheit geworden sind, weil ich anders geartete Beobachtungen, die meinem Vorurteil widersprechen, einfach verdränge?

Ich kann es nicht sagen und auch nicht überprüfen, weil mir keine statistisch abgesicherten Forschungsergebnisse vorliegen.

So geht es wohl uns allen – mehr oder weniger. Das sollten wohl auch diejenigen erkennen können, die im festen Glauben und mit dem berühmten forstlichem Götterblick jeden Habitatbaum als potenziellen Totschläger identifizieren und im Namen der Verkehrssicherungspflicht auch dort fällen lassen, wo kein erhöhter Verkehr besteht. Zehntausende alter Bäume haben in unseren Wäldern so ihr Ende gefunden.

Gefährdet sind dann nur die Forstwirte, die zu Vollstreckern werden (müssen).

Karl-Friedrich Weber

Nach Orkan 6-10-2017 a

Nach Orkan 6-10-2017 b

Laubwaldbau m Zufall 11-10-2017 c


01. 10. 2017 :

Einer Gewitter-Trombe konnte selbst ein so starker Stamm dieser Buche nichts entgegensetzen. Er brach in acht Metern Höhe. Dieses Ereignis fand in den letzten etwa 180 Jahren des Baumes nur ein einziges Mal statt – nämlich im Sommer 2016.

Ist damit das Ende dieses Lebewesens besiegelt? Nein, denn der vitale Seitentrieb wird wahrscheinlich zu einem neuen starken Baum heranwachsen. Die einfallende erhöhte Strahlungsmenge in dem entstandenen Lichtschacht wird ihm hierzu die begünstigenden Voraussetzungen schaffen, nachdem er viele Jahrzehnte in Wartestellung verharrte.

Bei genauerer Betrachtung des Wurzelraumes der scheinbar 180 Jahre alten Buche stellen wir fest, dass auch dieser Stamm ebenfalls als ein Trieb aus einer noch älteren Wurzel gewachsen war. Er gehörte einer von Bauern um das Jahr 1840 gefällten noch älteren Buche.

Wir können nicht mehr herleiten, wie alt diese Mittelwaldbuche gewesen ist. War sie selbst womöglich ein alter Baum? Dann wäre die Annahme nicht abwegig, dass sie heute ein Alter um 300 Jahre aufweisen kann und ihr neuer Trieb noch viele Jahre oder Jahrzehnte in die Zukunft wachsen wird.

Leben ist robust. Evolutionsbiologen sind in den letzten Jahrzehnten zu dieser Erkenntnis gekommen.

Umso erstaunlicher mutet es an, wenn im neu aktualisierten Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung in den Niedersächsischen Landesforsten, mutig als LÖWE+ bezeichnet, festgestellt wird, dass u. a. die Buche von vermehrten Trockenstressbedingungen am stärksten betroffen sei – natürlich ergänzt um den Hinweis, das dies für die Douglasie weitaus weniger zutreffe.

Forstwissenschaft führt doch immer wieder zu neuen Einsichten und sei sie unüberprüft übernommen und festgestellt durch ein politisches Regierungsprogramm.

Karl-Friedrich Weber

abgebrochene Starkbuche 1-10-2017


30. 09. 2017 :

Aus Eschentriebsterben wird Eschensterben. Die Aussage einzelner Forstleute, die Eschen stünden durch den Pilz Falsches Weißes Stengelbecherchen kurz vor der Ausrottung, gibt die folgerichtige Begründung für Kahlschläge unreifer Bestände zur angeblichen Vermeidung von weiteren Infektionen und das Abrufen von EU-Fördermitteln für Neukulturen in Privatwäldern.

Die Beobachtung von etwa 40 Eschenbeständen in der Region Braunschweig durch Forstleute im Sommer 2017 hat den Eindruck ergeben, dass sich der Kronenzustand in vielen Fällen verbessert, keinesfalls jedoch verschlechtert hat. Auffallend viele Eschen wiesen keinerlei optisch erkennbaren Befallssymptome auf.

Die einzigen drei abgestorbenen Eschen eines Forstortes auf den Fotos waren von voll belaubten Nachbarn umgeben, ein auffälliger Widerspruch.
Nachdenken und Beobachten statt Aktionismus auf der Basis ungesicherter Annahmen ist die Tugend, die von unseren forstlichen Altvorderen als „forstliche Keimruhe“ bezeichnet wurde. Im Wald liegen wir mit dieser Haltung allemal richtig.

Foto: Karl-Friedrich Weber

Eschen 30-9-2017 a

Eschen 30-9-2017 b

 

 

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland