Klimawandel

28.04.2017:

Wir stehen offenbar erst am Anfang des Verständnisses von Robustheit und Komplexität des Lebendigen. Die entscheidenden Vorgänge finden in den Zellen und auf der Ebene von DNA, RNS und Proteinen statt. Die forstwissenschaftliche Diskussion um „klimastabile“ Baumarten im bunten Gemenge eines Zukunfts-Retorten-Waldes aus der schöpferischen Hand von Förstern hat vor dem Hintergrund heutiger Erkenntnisse der Evolutions- und Systembiologie fast rührend-naive Aspekte.

Hoch problematisch ist jedoch die Bereitschaft politischer Entscheidungsträger, das, was durch permanente Wiederholung in der PR des Clusters nicht wahrer wird, zur Grundlage weit in die Zukunft reichender Entscheidungen zu machen.

Aber auch der Naturschutz sollte sein Artenverständnis immer wieder auf den Prüfstand stellen. Einiges spricht dafür, dass er sonst im Begriff ist, zum Gefangenen seines Paradigmas zu werden, wie es der Cluster Forst und Holz immer wieder für sich beweist.

Karl-Friedrich Weber

17. 04. 2017:

Biologen sind sich einig?

„Die spezifischen Prozesse, die letztlich zum Verlust von Arten führen, sind jedoch noch wenig erforscht.“

„Diese Studie führt uns einmal mehr vor Augen, wie wenig wir über die komplexen Beziehungen zwischen Arten unter zukünftigen Umweltbedingungen verstehen und vorhersagen können.“ (Prof. Dr. Nico Eisenhauer“

Die Widersprüchlichkeit macht deutlich, wenn Wissenschaft weiß, dass sie nichts weiß, sich aber „sicher“ ist, dass „spezifische Prozesse“ zum Verlust von Arten führen.

Welche Information soll vermittelt werden? Oder besser gesagt, welche Indoktrination ist beabsichtigt?

„Nimmt ihre Artenzahl aufgrund des Klimawandels ab, könnten ihre Funktionen wegfallen und viele Prozesse innerhalb der Ökosysteme könnten in Wanken geraten.“ – gemeint sind Springschwänze, u.a., weil „sie gut im Labor zu halten“ seien und im Boden leben.

Der Evolutionsbiologe Andreas Wagner macht deutlich, um was es geht:

„Der Preis des Verstehens ist immer die Abstraktion, mit der man den größten Teil einer atemberaubend komplexen Welt missachtet, um ein winziges Bruchstück davon zu begreifen.“

Albert Einstein sagte dazu: „Man sollte alles so einfach machen, wie möglich, aber nicht einfacher.“

Andreas Wagner zu Umweltveränderungen:

„Umweltveränderungen erfordern Komplexität, die ihrerseits Robustheit hervorbringt, die ihrerseits Genotyp-Netzwerke erzeugt; diese machen die Innovationen möglich, die es dem Leben erlauben, mit Umweltveränderungen zurecht zu kommen, seine Komplexität zu steigern und so weiter – eine aufsteigende Spirale der zunehmenden Innovationsfähigkeit. Und das Kernstück dieser Innovationsfähigkeit ist das selbst organisierte viel dimensionale Geflecht der Genotyp-Netzwerke, das sich hinter der sichtbaren Pracht des Lebendigen verbirgt, diese Pracht aber überhaupt erst schafft. Das ist die verborgene Architektur des Lebens.“

Die Biologen sind sich einig? Dann wäre es ziemlich schlimm um den Erkenntnisprozess bestellt.

Meine Herren integrative Biodiversitätsforscher, bleibt bescheiden. Noch wisst Ihr garnichts. Holt Euch einige Springschwänze ins Labor und probiert einfach mal das eine oder andere.
Aber seid Euch bitte nicht vorab über das Ergebnis einig, das Ihr gern haben wollt. Und erweckt bitte auch nicht den wertenden Eindruck, dass Ihr jemals auch nur einen Hauch allgemein gültiger Aussagen zu den Folgen des Klimawandels aus dem Verhalten von Springschwänzen treffen könntet.

Karl-Friedrich Weber

[ Kommentar zum Artikel „Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur“ vom 13.04.2017 ]

http://www.sonnenseite.com/de/umwelt/auswirkungen-des-klimawandels-auf-die-natur.html?utm_source=%3A%3A+Sonnenseite+Newsletter+15.+April+2017+%3A%3A&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Newsletter

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland