Positive Beispiele

10. 11. 2017 :

In einem alten Wald meines früheren Forstreviers steht eine mächtige Elsbeere. Über 100 Exemplare dieser wunderbaren Baumart wurden dort bisher gezählt; die meisten eher als Teil der Außensäume und nicht so außergewöhnlich groß.

Elsbeeren erzielen hohe Preise auf Auktionen. Der Standort meiner großen Schwester blieb deshalb lange Jahre mein Geheimnis. Dieses Geheimnis zu wahren, war nicht allzu schwer. Einer meiner Forstamtsleiter lief mit mir mehrmals an ihr vorbei, ohne sie als Elsbeere zu erkennen – also keine Gefahr.

Ein Nachfolger war da aus anderem Holz geschnitzt, so dass ich von ihm die Aussage erwarten konnte: „Mal sehen, was sie auf der Versteigerung bringt.“ Ich nahm ihm ein „Unantastbarkeitsversprechen“ ab, bevor ich ihm den Baum zeigte, und er hielt sich daran – auch aus Überzeugung.

Mein gleichgesinnter Nachfolger in der Revierleitung schützte die Wurzelbrut der Elsbeere mit einem Lattenzaun vor Rehwildverbiss.

Seit dem Kabinettsbeschluss vom September 2017 gehört der Waldteil zu den zehn Prozent nutzungsfreien Wäldern in Niedersachsen. Großes Aufatmen und innere Genugtuung. Ich habe einen wunderbaren Beruf – wenn ich ihn mit wunderbaren und bewahrenden Inhalten lebe. Dass das so ist, liegt vollständig bei mir. :)

Foto: Karl-Friedrich Weber

Elsbeere mächtige KF Weber 10-11-2017

Ein weiterer unentdeckt gebliebener Baum im selben Forstort ist eine riesige wohl über 200 Jahre alte Esche mit einem Stammdurchmesser in Brusthöhe von über 80 cm. Herausgepflegt hat ihn niemand, weder die Forstgenossenschaft als Voreigentümer, noch ich, nachdem die Landesforsten den Wald 1969 aufgekauft hatten und ich 1973 das Revier übernahm. Sie hat es auch allein geschafft ohne meine „pflegende Hand“.

Ich bin ihr deshalb nicht böse, sondern suche sie mehrmals im Jahr auf, um mich an ihr zu erfreuen. Mein Gewinn ist niemandes Verlust. Und Überflüssig fühle ich mich dabei auch nicht.

Natürlich macht es auch Freude, ein Wesen im Foto zu erfassen, das sich mit seinen Dimensionen der Optik zu entziehen weiß.

Und trotzdem ist Vielfalt im Spiel, wie der Fototermin mit einer schönen Frau. :)

Foto: Karl-Friedrich Weber

Esche Weber a 10-11-2017

Esche Weber b 10-11-2017

Esche Weber c 10-11-2017

Esche Weber d 10-11-2017

Esche Weber e 10-11-2017

Esche Weber f 10-11-2017

11.11.2017: Wenn wir uns zum Wert eines besonderen Baumes bekennen und nicht um seinen vordergründig erzielbaren Preis, bekommen wir ein neues Gefühl für das, worauf es ankommt. Dieses Denken wird durch das heutige Konzept der Landesbetriebe aus den Köpfen der Akteure gemendelt. Die lächerlichen 10 Millionen Euro angeblichen Gewinns am Ende eines Geschäftsjahres z.B. an den Finanzminister des Landes Niedersachsen zu überweisen, hat die höchste Bedeutung – der gleiche Finanzminister, der im September verkündet hat, dass die Steuermehreinnahmen Niedersachsens unvorhergesehene eine Milliarde Euro betragen. Wir Forstleute verbiegen uns angesichts dieser Relation zu subalternen Zuliefergeistern und sind noch stolz darauf, dass uns freundlich auf die Schulter geklopft wird.
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[Kommentar Silvia Roelcke:] Nicht alle altehrwürdigen Bäume, nicht alle Förster haben dieses Glück, das wirklich ein großes Glück ist. Dr. Georg Sperber aus dem Steigerwald zB. beklagt regelmäßig „frisch gefällte altvertraute Baumbekannte“, s. zB Artikel „Trauer um einen alten Freund“ und „Verstoß gegen eigenes Konzept“.

https://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Urwald;art769,7768633

http://www.infranken.de/regional/kitzingen/Verstoss-gegen-eigenes-Konzept;art218,563671

Foto Dr Sperber schönste Eiche v Seite Anf Nov 2013

Foto Dr Sperber schönste Eiche v vorne Anf Nov 2013

So endete die schönste Esche im Forstbetrieb Ebrach: (Copyright dieser Fotos Dr. Georg Sperber mit Selbstauslöser (2013) )

Foto Dr Sperber schönste Esche März 2013


27. 08. 2012 :

Es gibt gute Beispiele, die immer mehr Schule machen:

06.10.2011
NABU lobt vorbildhafte Waldwirtschaft in Baden-Württemberg
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NABU Präsident Olaf Tschimpke besuchte am 4. Oktober das Kreisforstamt Heilbronn:

„Ökologie und Ökonomie müssen keine Gegensätze sein, das beweisen die engagierten Forstleute im Kreisforstamt Heilbronn“, stellte NABU Präsident Olaf Tschimpke bei seinem Besuch des Forstreviers Untergruppenbach im Landkreis Heilbronn fest.

Das Kreisforstamt ist eine weitere Station, die der NABU-Präsident im Internationalen Jahr der Wälder besucht hat. Vor dem Hintergrund der Ernennung fünf deutscher Buchenwaldgebiete zum UNESCO-Weltnaturerbe betonte der NABU-Präsident: „Alte und naturnahe Buchenwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Welt. Für ihren Schutz tragen wir in Deutschland eine besondere Verantwortung.“ Wichtig dafür ist die Ausweisung von Waldschutzgebieten auf rund fünf Prozent der Waldfläche sowie eine naturverträgliche Forstwirtschaft.

In Begleitung des baden-württembergischen Forstpräsidenten Martin Strittmatter und des NABU-Landesvorsitzenden Andre Baumann ließ sich der NABU-Präsident unter der fachkundigen Führung des Heilbronner Forstamtsleiters Karl-Heinz Lieber und des Revierleiters Jörg Kuebart die Umsetzung des baden-württembergischen Alt- und Totholzkonzeptes im Gemeindewald Untergruppenbach sowie die Prinzipien der naturgemäßen Waldwirtschaft erläutern.

„Das Prinzip ist einfach. Im naturgemäßen Waldbau versuchen wir die natürlichen Prozesse der Waldökosysteme für uns zu nutzen. Das spart Kosten und fördert die Produktivität und Stabilität der Wälder“, erklärte Lieber.

Für den Schutz bedrohter Arten setzen Lieber und Kuebart auf sogenannte Waldrefugien und Habitatbaumgruppen und den Rat von Naturschutz-Experten. „Ein Spechtexperte hat für uns den gesamten Wald durchkämmt und Bäume mit Spechthöhlen und andere für bedrohte Tierarten wichtige Merkmale markiert. Wo sich solche Bäume häufen, weisen wir Waldrefugien und Habitatbaumgruppen aus.

An diese Flächen kommt keine Säge mehr ran, die Bäume bleiben im Wald, sie werden alt und zerfallen schließlich. Dieses Mosaik an urwaldähnlichen Strukturen ist das, worauf es uns ankommt. Viele bedrohte Tierarten sind auf diese Strukturen angewiesen, doch leider fehlen sie in unseren Wirtschaftswäldern noch allzu häufig“, schilderte Kuebart die Situation.

Im Kreisforstamt Heilbronn ruht die Holznutzung auf rund acht Prozent der Waldfläche, langfristig sollen es zehn werden. Ein Ziel, das nicht nur in Untergruppenbach, sondern auch im baden-württembergischen Staatswald umgesetzt werden soll.

„Neben dem wirklich vorbildlichen Alt- und Totholzkonzept sollen mindestens fünf Prozent der Staatswaldfläche zu Bannwäldern entwickelt werden“, erklärte NABU-Landesvorsitzender Andre Baumann. Bannwälder sind größer als Waldrefugien und wesentlich kleiner als ein Nationalpark. Sie sind wichtige Rückzugsräume für bedrohte Arten.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke lobte das engagierte Vorgehen der Forstleute in Heilbronn: „Vor wenigen Tagen durfte ich in Thüringen die wilde Schönheit der Buchenwälder im Nationalpark Hainich bestaunen, die zum Weltnaturerbe gekürt wurden. Baden-Württemberg hat zwar keinen Nationalpark, aber hier in Heilbronn wird gezeigt, dass auch außerhalb von Schutzgebieten ein wichtiger Beitrag zum Schutz bedrohter Lebensräume geleistet werden kann.“

Der NABU wünscht sich, dass noch mehr Förster diesem Beispiel folgen.
NABU

(Ist wohl die Wiedergabe einer NABU-Pressemitteilung, und nicht von K.F. Weber verfasst?)

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland