Waldnatur

05. 05. 2018 :

„Mulmbäume“ sind in Waldökosystemen Nischen von besonders großer Biodiversität. Sie entstehen über längere Zeiträume und sind damit typisch für wirklich alte Wälder, jedoch nicht für die Phasen „ab hundert Jahre“, die in der üblichen Zweckargumentation z.B. in FFH-Gebieten als alten Wald definiert werden.

Fotos: Karl-Friedrich Weber

Mulmbäume 5-5-2018 a

Mulmbäume 5-5-2018 b

Mulmbäume 5-5-2018 c

Mulmbäume 5-5-2018 d

Es können alle alten Laubbäume Höhlen mit Mulmkörpern bilden. Die Bildung von Stammhöhlen mit Mulmkörpern benötigt in der Regel viele Jahrzehnte. Voraussetzung ist die Besiedelung des Splint- oder Kernholzes mit Pilzarten, die auf eine lang andauernde, vergleichsweise milde Nutzung lebender Bäume spezialisiert sind. Diese Pilze greifen über lange Zeiträume für den Baum lebenswichtige Bereiche, besonders Kambium und Splint nicht substanziell an. Das verpilzte Holz wird von Insekten zernagt, die von den Holzpilzen und deren Myzelien abhängen. Die mit Nagemehl gefüllten Bohrgänge werden regelmäßig von Holzameisen als Grundlage zur Bildung ihrer Kolonien benutzt. Die Ameisen entfalten ihrerseits eine intensive Nagetätigkeit zur Erweiterung ihrer Gang- und Brutkammersysteme. Dadurch entstehen erneut große Mengen an Nagemehl, dem primären Holzmulm. Alle Höhlen werden früher oder später durch Sekundär- und Strukturnutzer besiedelt. Beispiele sind höhlenbrütende Vögel, Mäuse, Bilche und Fledermäuse oder Insekten wie Ameisen, Hornissen, Honigbienen und Wespen. Dies ist mir einem erheblichen Eintrag von organischer Substanz wie Nistmaterial, Beutereste, Gewölle, Kot, Federkiele, verlassene Vogeleier, Häutungsreste und Tierleichen verbunden. Da diese organische Substanz stickstoff- und phosphathaltige Verbindungen und Mineralstoffe enthält, stell sie eine Vervielfachung des ursprünglich vom Baum selbst zur Verfügung gestellten Nährstoffangebots dar. Aufgrund des Nährstoffeichtumgs gehören Saprophyten wie Mürblinge oder Tintlinge zur den typischen Pilzbesiedlern von Baumhöhlen mit Mulmkörpern. Diese können auch eine Reihe von angepassten holzbewohnenden (xylobionten) Käfern beherbergen, darunter auch seltene Arten wie der Eremit oder der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat zu diesen Themen ein ausgezeichnetes Praxishandbuch -Naturschutz im Buchenwald herausgegeben (ISBN 978-3-00-051827-0).

http://www.mlul.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.428589.de


 

 

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland