Forst- und Holzmärchen

Forst- und Holz-„Propaganda“

Als „Forst- und Holzmärchen“ bezeichnet man Aussagen der Forst- und Holz-Interessengruppen, die – nicht nur in den Augen der Naturschützer – nicht zutreffend bzw. bewusst manipulierend sind. Die zur Zeit real existierende Forst- und Holz-Öffentlichkeitsarbeit, man könnte sie auch als „Propaganda“ bezeichnen, besteht aus mehreren festen „Versatzstücken“, die immer und überall auftauchen, stetig wiederkehren und darauf abzielen, die öffentliche Meinung subtil, aber möglichst wirkungsvoll zu beeinflussen.

WARUM, WOZU nun so eine „Propaganda-Schlacht“? Was bringt es, zumindest – was soll es bringen?

Das ist ganz simpel – es soll die Kritik der Naturschützer und Naturschutzverbände in Sachen Waldbewirtschaftung abwehren, soll die Öffentlichkeit in dem Glauben wiegen, im Wirtschaftswald sei alles wunderbar in Ordnung, es gebe keinerlei Probleme, und die Förster und Forstunternehmen machen stets und immer alles restlos richtig. Zudem gilt es auch die Forderung der Nationalen Biodiversitätsstrategie abzuwehren, 5 % der deutschen Wälder bzw. 10 % der öffentlichen Wälder aus Natur- und Artenschutzgründen aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Der eigentliche Grund für die Konflikte mit den Naturschützern, „Wir wollen das Geld, wollen auf das Geld auf keinen Fall verzichten“ bzw. „Wirtschaftliche Interessen“ klingt naturgemäß nicht so gut in den Ohren der Öffentlichkeit. Das kann man also schlecht sagen. Daher lieber all die folgenden Argumente stetig wiederholt und mit möglichst schönen Waldbildern untermalt.

Wer sich eine Meinung bilden möchte, dem könnten folgende Texte weiterhelfen. Ein „Muss“ ist folgender Aufsatz: Teil 3 des dreiteiligen Artikels von Mark Harthun, Naturschutzreferent und Vize-Geschäftsführer des NABU Hessen, von 2017. Es ist eine wichtige Analyse und Entgegnung der wesentlichen Argumente der Forst&Holz-Interessengruppen gegen die Ausweisung von mehr Wäldern ohne forstliche Nutzung: „Natürliche Wälder: Unnötig, zu teuer, gefährlich, unmoralisch?“

http://www.nabu-waldeck-frankenberg.de/tl_files/fM_k0002/Bilder_Themen/Wald/Natuerliche%20Waelder%20-%20Teil%20III.pdf

s. in diesem Zusammenhang auch die Antworten von Manfred Großmann und László Maráz auf diese Argumentation, zu finden hier:

http://waldproblematik.de/diskussion-prof-schulze-manfred-grossmann/


Diese Seite ist momentan leider etwas unübersichtlich, eine Überarbeitung steht an. Zur Zeit ist sie gegliedert in:



  • klimafreundlich Heizen und Strom produzieren mit Energieholz

  • Waldnutzung ist Klimaschutz

Am Ende der Seite inzwischen noch weitere Texte zum Thema typische Forst- und Holz-Argumentationsweisen



Schützen und Nützen auf gleicher Fläche

Hier der „Klassiker“-Artikel von Hans Bibelriether, der sich gegen die „Kielwassertheorie“ = Schützen und Nützen auf gleicher Fläche richtet, aber auch andere Forst- und Holzmärchen thematisiert: „Forst- und Holzmärchen heute„:

http://franzjosefadrian.com/wp-content/uploads/2013/05/Forst-_u._Holzmaerchen_heute_Nationalpark_2-2008.pdf

Mit Google auch zu finden unter: LBV Forst- und Holzmärchen heute, „Ausverkauf der Wälder“


Sehr gut auch der Artikel „Außer Spesen nichts gewesen“ ebenso von Hans Bibelriether, darin setzt dieser sich erneut mit vielen Forst- und Holz-Standardbehauptungen auseinander:

http://www.oekom.de/fileadmin/zeitschriften/NaPa_Leseprobe/NP155_Leseprobe_AusserSpesennichtsgewesen.pdf


Sehr lesenswert auch folgender Post von Norbert Panek: „Welche Wälder wollen wir

http://wald-kaputt.de/wald-kaputt-standpunkte/16-welche-waelder-wollen-wir.html


Integration statt Segregation“ = Schützen und Nützen auf ein und derselben Fläche

(„Segregation“ in diesem Zusammenhang = Trennung von Wirtschafts- und Naturschutzflächen)

Für die Forst- und Holz-Interessengruppen gibt es anscheinend nur folgende Alternative:

Wenn man Waldflächen aus der forstlichen Nutzung nimmt = erlaubt, dass sie sich frei zu „Urwäldern  von morgen“ entwickeln, dann fehlen entsprechend Wirtschaftswaldflächen. In den nutzungsfreien Wäldern ist dann zwar mehr Naturschutz, doch man MUSS (angeblich) dann die übriggebliebenen Wirtschaftswaldflächen weitaus intensiver nutzen, als man es sonst getan hätte, weil ja nun Wald „fehlt“. Die nutzungsfreien „wilden“ Wälder werden somit durch eine viel intensivere Nutzung der normalen Wirtschaftswälder „erkauft“. Anders ausgedrückt, wenn in den Wirtschaftswäldern nun mehr Bäume gefällt werden (angeblich: MÜSSEN), dann ist das die Schuld der Naturschützer.

Die Forst- und Holz-Interessengruppen dagegen möchten den Naturschutz nicht ABGETRENNT („Segregation“)  in abgegrenzten Waldflächen haben, sondern ihn integrieren IN die Bewirtschaftung des Wirtschaftswaldes. Der Wald wird zwar bewirtschaftet, doch die Natur nimmt keinen Schaden. Anders ausgedrückt: „Schützen und Nützen auf einer Fläche / auf derselben Fläche“. Abgetrennte, nutzungsfreie  Waldschutzgebiete sind daher völlig überflüssig. Soweit die Theorie.

http://www.bdf-online.de/pdf/positionen/Naturschutz_Wald.pdf

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang  die Begründung der bayerischen Regierung, warum sie die Umsetzung der NBS boykottiert und keine Daten für die Erhebung geliefert hat (Anfrage des Grünen-Politikers Dr. Christian Magerl vom Mai 2012): „(…) Im Gegensatz zum Bund sieht die Bayerische Biodiversitätsstrategie keine pauschalen Flächenstillegungen vor, sondern beschreitet den integrativen Weg, der Schutz und Nutzung im Rahmen der nachhaltigen Landnutzung berücksichtigt. Unsere nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft erfüllt in idealer Weise diese Vorgaben (…).

http://www.christian-magerl.de/dateien/NaturschutzrelevanteDatenStaatswald.pdf

(Mehr zur Nationalen Biodiversitätsstrategie und zum Bayerischen Sonderweg: s. Punkt „Nationale Biodiversitätsstrategie“)

Zur Zeit hört man diese Argumentation sehr viel von den Gegnern eines von Naturschützern geforderten Nationalparks Steigerwald in Nordbayern. Sie ist aber schon viel, viel älter. Ganz gleich, wann und wo welcher Nationalpark geplant ist oder war – die Argumentation gegen ein neues Schutzgebiet, gar einen neuen Nationalpark ist immer dieselbe, besteht immer aus denselben „Versatzstücken“.

Die Naturschutzverbände hingegen fordern, dass wie mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen ein Teil (5 %) der deutschen Wälder nutzungsfrei bleibt, und dass im übrigen Wirtschaftswald trotzdem eine schonende Bewirtschaftung stattfindet – „Segregation“ also  bei besonders schützenswerten Wäldern UND „Integration“ von Naturschutz in den normalen Wirtschaftswald. Das ist in den Augen der Naturschützer überhaupt kein Gegensatz. Sondern so sollte es sein.

s. auch „Wald-KULTUR-erbe“ weiter unten

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/mythen_ueber_den_deutschen_wald.pdf


Wald KULTUR erbe“ gegen „Welt NATUR erbe

Die Forstwirtschaft in Deutschland ist momentan leider oft GEGEN die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie eingestellt. Die Forstwirtschaft in Deutschland ist momentan leider oft / immer wieder (hängt auch vom Bundesland ab) GEGEN die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie eingestellt. Allen voran Bayern. Gegenwärtig ist der Bundeslandwirtschaftsminister, gleichzeitig Bundesforstminster, ein Mitglied der CSU, der natürlich mit der Einstellung der CSU in Bayern zum Thema Forstpolitik „linientreu“ ist. In Deutschland gibt es ja 5 UNESCO-„Weltnaturerbe“-alte-Buchenwälder-Deutschlands-Nationalparks, und Deutschland trägt besondere Verantwortung für den Schutz alter Buchenwälder. Praktisch sieht das dann so aus, dass beispielsweise Bayern lieber sein Naturschutzgesetz geändert hat, um ein im Steigerwald ausgewiesenes Buchenwald-Schutzgebiet wieder abzuschaffen, als das – ohnehin nicht sonderlich große – Schutzgebiet zu behalten, obwohl es eigentlich Weltnaturerbe-würdig wäre.

Mehr Weltnaturerbe bzw. Buchenwälder-Schutzgebiete will man meist nicht, umso mehr spricht man vom „Waldkulturerbe“ – heißt soviel wie: Unser Wald ist ohnehin kein ursprünglicher Wald mehr, es ist ein Kulturwald, und sollte als Kulturwald erhalten bleiben, Kulturwald ist ein schützenswertes Erbe. Und ein Kulturwald und Naturschutz ist Harmonie pur. Dies soll so in die Köpfe der Menschen gelangen. Dazu gibt es auch eine entsprechende Website vom Bundeslandwirtschaftsministerium: „Unser Waldkulturerbe“:

https://www.waldkulturerbe.de/startseite/

Auch wenn es nur indirekt und subtil ist – deutlicher kann sich kein Ministerium GEGEN mehr „natürliche Waldentwicklung“, GEGEN mehr Waldgebiete ohne forstliche Nutzung positionieren.

Beispielsweise im Falle Bayerns wird es ganz deutlich: 2015 wurde zum „Aktionsjahr Waldnaturschutz“ ausgerufen, in dem der „bayerische Weg“ = Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche und keine zusätzlichen nutzungsfreien Waldschutzgebiete (Stichwort: „Geschützter Landschaftsbestandteil“ im Steigerwald!) propagiert wird.

„Wir integrieren die Leistungen für den Natur- und Artenschutz auf ganzer Fläche in eine multifunktionale Waldbewirtschaftung. „Schützen und nutzen“ lautet das Motto unseres bayerischen Weges und wir haben damit Erfolg. „

http://www.stmelf.bayern.de/wald/lebensraum-wald/095092/index.php

An  und für sich sollte Wald-KULTUR-erbe und Wald-NATUR-erbe  kein Gegensatz sein. Genausowenig wie „Integration“ UND „Segregation“, statt „Integration STATT Segregation“. Jedenfalls bedeutet der Gegensatz „Waldkulturerbe – Weltnaturerbe“ inhaltlich letztlich nichts anderes als „Integration statt Segregation“ = Schützen und nutzen auf derselben Waldfläche.


Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang auch folgender Post von Norbert Panek: „Welche Wälder wollen wir„:

Die hartnäckigen verbalen Bemühungen der Forstlobby, unser Wald-Naturerbe in ein „Kulturbiotop“ umzupolen, zeugt nur von ihrer sehr einseitig auf Nutzung fixierten Sichtweise.Die derzeit laufende Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter dem Motto „Ohne uns kein Waldkulturerbe“ vermittelt der Öffentlichkeit ein vollkommen verzerrtes Bild vom deutschen Wald.“ (10.05.2011)

http://wald-kaputt.de/wald-kaputt-standpunkte/16-welche-waelder-wollen-wir.html


Wenn man die hiesigen Wälder nicht mit der deutschen nachhaltigen Forstwirtschaft nutzt, dann werden stattdessen andernorts Urwälder zerstört

– ein „klassisches“ „Totschlag-Argument“ der Forst- und Holz-Interessengruppen, gerichtet gegen die Forderung, 5 % der Wälder in Deutschland (bzw. 10 % der öffentlichen Wälder in Deutschland) einer natürlichen Waldentwicklung ohne forstliche Nutzung zu überlassen = die 2007 von der Bundesregierung beschlossene Nationale Biodiversitätsstrategie umzusetzen.  So soll bei Naturfreunden ein schlechtes Gewissen erzeugt werden – verlangt man mehr nutzungfreie Waldflächen hierzulande, ist man Schuld an Urwaldzerstörung. Dieses Argument liest und hört man immerfort und überall, etwa hier ab [36:57 – 37:30]:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/unter-unserem-himmel/unter-unserem-himmel-134.html


Die Umweltverbände haben  bereits einen offenen Brief zu dem Thema geschrieben – nichts desto trotz wird das Argument weiterhin eifrigst angeführt

Offener Brief der Umweltverbände vom 4.4.2011:

http://www.docs.forumue.de/OffenerBrief_110406_final.pdf

oder

http://www.waldportal.org/heimische/news.heimische2011/news.heim.20110415/index.html

„(…) Die unterzeichnenden Verbände appellieren eindringlich an Sie, die Zerstörung von Wäldern durch den Holzeinschlag außerhalb Deutschlands in Ihrer Argumentation nicht gegen die Einrichtung von Schutzgebieten in deutschen Wäldern auszuspielen.

Am 4. Februar 2011 hatten Sie, Herr Schirmbeck, in einer Pressemitteilung geäußert, dass Nutzungseinschränkungen und großflächige Unterschutzstellungen in den Wäldern Deutschlands die Regenwaldvernichtung beschleunigen würden. Am 21. Januar 2011 sagten Sie, Herr von und zu Guttenberg, auf der Grünen Woche in Berlin dass die Einrichtung von Nationalparks in Deutschland „unmoralisch“ sei. Dies führe dazu, das fehlende Holz zu importieren, wodurch auch Regenwälder zerstört würden. Sie haben diese Behauptung Ende März wiederholt.

Wir Verbände, die wir uns seit Jahrzehnten für den Schutz von Tropenwäldern und indigenen Völkern engagieren, weisen solche Äußerungen entschieden zurück. Sie sind falsch und lenken nur von den wirklichen Problemen ab.

Der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen dürfte nach der Atomkatastrophe weiter steigen, doch diese Knappheit kann und darf nicht einfach durch die Steigerung der Holzeinschläge gedeckt werden. Die Grenzen des Wachstums gelten auch für Waldökosysteme.

Ihre Argumentation ist für uns umso unverständlicher, als Ihre Verbände sich nach unseren Erfahrungen in den vergangenen Jahrzehnten weder für den Schutz der Tropenwälder engagiert, noch Maßnahmen gegen die Importe von teilweise illegalem Raubbauholz ergriffen oder angemessen unterstützt haben. Erst mit dem Aufkommen der Diskussion um die Ausweisung von gerade einmal 5% Flächen mit natürlicher Waldentwicklung im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt haben Sie die Zerstörung der Regenwälder thematisiert. Die Biodiversität tropischer Regenwälder wird in Ihrer Argumentation gegen die Biodiversität standortheimischer Wälder in Deutschland ausgespielt. Damit verbinden Sie implizit den Vorwurf, dass Waldschutzgebiete in Deutschland dazu führen würden, das Holz dann in Tropenwäldern einzuschlagen und dafür deren Zerstörung in Kauf zu nehmen. Die Verantwortung hierfür darf aber nicht den Akteuren angelastet werden, die sich für den Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland engagieren. (…)“


Wie Palmöl- und Sojaplantagen (und nicht deutsche Waldschutzgebiete) eine der Hauptursachen für Regenwaldzerstörung sind:

Peter Gerhardt:Der Palmöl-Hype – Vernichtung tropischer Regenwälder und Verletzungen von Menschenrechten als Folge des weltweiten Palmöl-Booms

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2013/Gerhardt.pdf


In hiesigen Forst- und Waldbesitzerkreisen scheinen Regenwälder nur  dann eine Rolle zu spielen, wenn es gilt, die Schaffung neuer  Waldnationalparks zu verhindern. Allen voran gefällt sich der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp Freiherr zu Guttenberg, darin, das Engagement der Umweltschützer anzuprangern: Wer mitten in Deutschland ein Stück Wald »stilllegen« würde, trage die Verantwortung dafür, dass die fehlenden Holzmengen aus Regionen mit Raubbau, vor allem aus Tropenwäldern, importiert werden müssten. Auch so mancher Forstprofessor ist bereits solch absurder Logik auf den Leim gegangen. So war im September 2014 auf der Forstwissenschaftlichen Tagung in Tharandt bei Dresden dasselbe »Argument« zu hören“

aus: Gesche Jürgens und Johannes Stoppel: „Der Raubbau geht weiter Illegaler Holzeinschlag und -handel in Europa – trotz neuer Gesetze

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2015/KAB2015_199_202_Juergens_Stoppel.pdf

Man könnte fast anfangen zu überlegen – ob „so manch ein Forstprofessor“ wirklich nur „bereits solch absurder Logik auf den Leim gegangen ist“? Oder ob er nicht vielmehr ganz bewusst der Forst- und Holz-„Propaganda“-Argumentation noch etwas professoralen Glanz verleihen möchte?


László Maráz: „Wir brauchen mehr Schutzgebiete im Wald – die Forstwirtschaft ist mit dem Schutz der biologischen Vielfalt überfordert

„Vertreter der Forst- und Holzwirtschaft halten wenig von der Einrichtung neuer Schutzgebiete. Sie lehnen es ab, Kriterien für eine gute fachliche Praxis festzulegen und behaupten,mit einer „multifunktionalen Waldnutzung“ genug für den Natur- und Klimaschutz zu tun.“

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2009/Maraz.pdf


Entgegnung auf

Es wird nicht mehr Holz eingeschlagen als nachwächst„:

Hierzu ein guter Post von Norbert Panek : „Der Schummel mit den Zahlen

http://wald-kaputt.de/wald-kaputt-hintergrund/41-der-schummel-mit-den-zahlen.html


László Maráz: „Wieviel Holz braucht der Wald? – Vom Überfluss in die Knappheit

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2014/KAB2014_199_204_Maraz.pdf

Beitrag von Karl-Friedrich Weber vom 22.4.2016:

Es kommt überhaupt nicht auf eine bestimmte Nutzungsmenge an, sondern wieviel auf einmal aus einer Fläche entnommen wird, sodass die gesamte Bestandesstruktur zerstört wird. Kahlschlag z.B. ist Kahlschlag. Wenn langfristig mehr geschlagen würde als zuwächst, hätte der Waldbesitzer bald keinen Wald mehr. Da steht das Waldgesetz vor. Die Nachhaltigkeit an der reinen Rohstoffbilanz fest zu machen, ist also per se unlogisch. Nachhaltigkeitskriterien sind vor allem Bodenstruktur, Stoffbilanzen, Wasserhaushalt und relevante Strukturen für waldtypische Biodiversität. Das bilden Holznutzungsbilanzen nicht ab.


90 Milliarden Bäume

Über die „wundersame Baumvermehrung“ durch die 3. Bundeswaldinventur (BWI3) hat das bayerische Satire-Magazin „Quer“ im Herbst 2014 einen herrlichen Beitrag gesendet: „Wundersame Waldvermehrung: Der Zahlentrick des Ministers

90 Milliarden Stämme, also Baumstämme haben wir“ – über zehn mal soviele Bäume wie noch vor 10 Jahren! „Das ist einfach anders gezählt“ – jetzt zählen auch 20 cm hohe Mini-Bäumchen dazu, die im Wald auf dem Boden sprießen. Unter einem „Stamm“ stellt man sich allerdings normalerweise etwas anderes vor…

https://www.youtube.com/watch?v=HnB77YVm7Qw


Forstmärchen-Antworten von Greenpeace, kurz + knapp:Märchenstunde im deutschen Wald„:

Deutschland hat genug Waldschutzgebiete     /     Holz zu verbrennen ist CO2-neutral     /     Je mehr Holz genutzt wird, desto besser für das Klima     /     Waldschutzgebiete und alte Wälder sind für den Klimaschutz wertlos     /     Wenn Deutschland mehr Wald unter Schutz stellt, wird stattdessen der Regenwald eingeschlagen      /     Mehr Waldfläche und Holzvorräte bedeutet höhere Holzqualität

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/mythen_ueber_den_deutschen_wald.pdf

Sehr lesenswerte Forstmärchen-Antworten von László Maráz im „Kritischen Agrarbericht“ 2009, S. 195f (bzw. S. 3f von 6 des Artikels: „“Rückblick 2008: Viel Schatten – wenig Licht“) : „Bewusste Irreführung – Antworten auf fragwürdige und widersprüchliche Aussagen, die gegen den Schutz der Biodiversität im Wald angeführt werden„:

http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2009/Rueckblick_07.pdf

Förster sind die besten Naturschützer     /     Holzeinschlag rettet das Klima     /     die Forstwirtschaft rettet den Tropenwald     /     das Märchen vom Nationalpark als Museum unter einer „Käseglocke“     /     Forstwirtschaft = Naturschutz     /     Holzeinschlag stabilisiert die Wälder     /     Waldgebiete ohne forstliche Nutzung verursachen Jobverluste     /     Vorgeschobene „wissenschaftlicher Bedenken“


Schutzgebiete gefährden die Artenvielfalt

Selbst diese Aussage ist in der Forst- und Holz-Argumentation zu finden. Ziel ist es, die Forderung nach nutzungsfreien Waldgebieten abzuwehren – denn eigentlich besagt ja die von der Bundesregierung 2007 beschlossene Nationale Biodiversitätsstrategie, dass bis 2020 5 % der Wälder Deutschlands aus der forstlichen Nutzung zu nehmen sind = keine Bäume mehr gefällt werden sollen. (Näheres s. Menüpunkt „Nationale Biodiversitätsstrategie“)  Doch viele Bundesländer und die Forst- und Holz-Interessengruppen sperren sich dagegen, und führen nicht zuletzt das Argument „Schutzgebiete gefährden die Artenvielfalt“ dagegen an.  Das klingt dann beispielsweise wie folgt und ist nicht zuletzt ein Beispiel für interessanteTatsachenverdrehungen in Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Studie:

Wissenschaft: Schutzgebiete gefährden die Artenvielfalt – Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts haben herausgefunden, dass durch “Schutzgebiete” Monokulturen entstehen, mit einer reduzierten Artenvielfalt und einer unausgewogenen Tierwelt: …“ (So z.B. zu finden auf der Website des Anti-Nationalpark-Vereins „Unser Steigerwald“)

http://www.unser-steigerwald.de/blog/

Hierzu hat Karl-Friedrich Weber am 27.02.2015  einen lesenswerten Kommentar verfasst: „Denn sie wissen, was sie tun

http://waldproblematik.de/forst-und-holz-argumentation/

Prof. Ernst-Detlef Schulze, der an der Studie mitgewirkt hat, vertritt übrigens teilweise erstaunliche Ansichten wie etwa die Folgenden, geäußert in einem Interview mit einer in Forst- und Naturschutzdingen komplett ahnungslosen Journalistin:

„Wenn wir nur noch alte Buchenwälder schützen, werden wir mit einem Bruchteil dessen enden, was in einen Wald an Flora und Fauna hineingehört. (…) Es ist absurd, dass der Naturschutz schwerpunktmäßig alte Buchenwälder schützen möchte. Aber das wird getan. Ich sehe kommen, dass wir in fünfzig Jahren nur noch Buchen im Wald haben.“

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41327/Vaeterchen-Forst

Hier ein weiteres, sehr deutliches Beispiel für diese Art der Argumentation, ein Artikel der AGR = Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher:

„… Biologische Vielfalt durch Nutzung der Wälder – Entgegen der Behauptung, einzig die Stilllegung großer Waldgebiete führe automatisch zu einer größeren Artenvielfalt, zeigen Untersuchungen, dass in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald die Artenzahl deutlich höher ist. Erst zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen erzeugen vielfältige Strukturen, bringen Licht und Wärme auf den Waldboden und schaffen so günstige Voraussetzungen für ökologische Nischen. Wenn Waldflächen aus der Nutzung genommen werden, profitieren zwar einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich.

http://www.rohholzverbraucher.de/sites/aktuelles_pressemitteilungen.php?kat=&id=144&headline=AGR%20fordert%20Stopp%20der%20Wald-%20und%20Artensterbenskampagne%20des%20Naturschutzes

Hierzu gibt es noch beliebig viele Varianten. Hier z.B. ein Förster während einer Diskussion, ob man nicht einen Teil des Obernburger Stadtwalds aus der forstlichen Nutzung nehmen könnte: „[Forstdirektor Berthold Ort] erklärte, mit einer behutsamen, naturnahen Waldbewirtschaftung werde die Artenvielfalt in vollem Umfang unterstützt. Würden große Flächen der Natur überlassen, gewinne die Buche die Oberhand und verdränge andere Baumarten und Pflanzen, was zu einem Ungleichgewicht führe.“

http://www.main-echo.de/regional/kreis-miltenberg/art4001,3828916


Hier hingegen nun ein Fachartikel zum Thema Artenvielfalt in Naturwäldern, der das Forst- und Holzmärchen „Schutzgebiete gefährden die Artenvielfalt“ umfassend widerlegt:

Artenvielfalt und Nationalpark? – Erkenntnisse aus der Naturwaldforschung“ – 11seitige wissenschaftliche Untersuchung von Patricia Balcar: „Große Waldgebiete aus der Nutzung zu nehmen wird in Deutschland zum Teil heftig diskutiert. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Fragen wegen Verzichts auf Holznutzung, um Angst vor Holz – vor allem Brennholzverknappung – oder um die Befürchtung, als Mensch ausgesperrt zu werden. Heftig und auch kontrovers wird diskutiert, ob denn die Stilllegung großer Gebiete, die vornehmlich aus Gründen des Naturschutzes erfolgt, dem Naturschutz tatsächlich auch dient. … …Kommt man auf die anfängliche Frage zurück, ob denn die Stilllegung großer Gebiete, die vornehmlich aus Gründen des Naturschutzes erfolgt, dem Naturschutz tatsächlich auch dient, so kann die Frage anhand der angeführten Beispiele und Belege mit einem klaren Ja beantwortet werden.

http://www.wald-rlp.de/fileadmin/website/fawfseiten/fawf/downloads/Veroeffentlichungen/Balcar.pdf

Beispiel:

„Im Wirtschaftswald ist der Artenreichtum größer als im Urwald“ – Statement-Behauptung von Volker Gebhardt, dem Chef von ThüringenForst in der MDR-Diskussionssendung „Fakt ist!“ vom 22.05., s. Minute 01:56

http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/sendung733976_ipgctx-false_zc-ba8902b5_zs-73445a6d.html


Waldnutzung ist Klimaschutz

klimafreundlich Heizen und Strom produzieren mit Energieholz

s. hierzu die Links bei der Linksammlung unter „E“ – Energetische Holznutzung

http://waldproblematik.de/hier-finden-sich-links-zu-verschiedenen-aspekten-der-wald-problematik/


Forst- und Holz-Interessengruppen-„Speak“

s. weiter oben, aber auch

„wir wollen keine  pauschalen Flächenstillegungen

„unsere nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft

multifunktionale, naturnahe Forstwirtschaft

angeblich bedrohte Buchenwälder“

Wald- und Artensterbenkampagne des Naturschutzes

Hier eine kritische Analyse einer real existierenden „multifunktionalen, naturnahen Forstwirtschaft“:

http://franzjosefadrian.com/stadtwalder/der-buckeburger-stadtwald/forster-matthaei-schutzt-die-buchenwalder/

der „ideologische Naturschutz„, der angeblich unsachlich argumentiert


24. 04. 2016: Franz-Josef Adrian hat Interessantes herausgefunden über PR-Handlungsleitfäden für Förster seitens der Forstbehörden:

http://franzjosefadrian.com/facher/nationalpark-schwarzwald/meinungsmache-sturmwurf-huzenbacher-see/

Hier die Original-Forst-PR-Handlungsleitfäden:

http://www.waldwissen.net/lernen/oeffentlichkeit/index_DE

z.B.:

http://www.waldwissen.net/lernen/oeffentlichkeit/fva_sturmhandbuch_oeffentlichkeitsarbeit/fva_sturmhandbuch_oeffentlichkeitsarbeit.pdf

Hierzu ein Kommentar von Karl-Friedrich Weber vom 25.04.2016:

Pressearbeit von Interessengruppen gleich welcher Art ist immer mal mehr, mal weniger durchmischt mit subtilen Elementen der Indoktrination durch Meinungen bis hin zu tatsachenverfälschenden unwahren Behautungen. Es geht also stets um die öffentliche Kontrolle der grenzwertüberschreitenden Dosis. Der Cluster Forst und Holz unternimmt seit einigen Jahren große Anstrengungen auf dem Gebiet, das er selbst als Waldinformation bezeichnet.

Nicht umsonst stellt er betroffen fest, dass der bisher traditionelle nahezu unerschütterliche Vertrauensbonus der Menschen gegenüber allem, was im Wald geschieht, gerade auch in diesem Zeitraum schwindet. Irgendetwas läuft da wohl falsch.

Es fehlt wohl noch immer an der Professionalität, wenn PR mit den Wahrnehmungen der Menschen nicht übereinstimmt. Oder die Art der Agitation erzeugt ablehnende Affekte, auch oder gerade weil der Betrachter sich durch die phrasengetränkte Hochglanzrabulistik intuitiv für dumm verkauft sieht, ohne in der Lage zu sein, sofort einen Gegenbeweis antreten zu können. Das schafft Frust und Verärgerung und in der Steigerung auch Zorn. Merkwürdig, dass das nicht erkannt wird.

Karl-Friedrich Weber


Diese Zusammenfassung eines Postitionspapiers der AGR vom 24.01.2012 bietet gutes Anschauungsmaterial für Forst- und Holz-Speak, gespickt mit Forst- und Holzmärchen, doch auch dem Titel der Pressemitteilung sollte man Beachtung schenken:

AGR fordert Stopp der Wald- und Artensterbenskampagne des Naturschutzes

(…) Fazit: „Die Umweltverbände instrumentalisieren die Ängste der Menschen vor Klimawandel und Waldzerstörung für ihre Zwecke. Damit treiben sie eine Segregation unserer Wälder in Totalschutzzonen und Wirtschaftwald, ungeachtet der Erfolge der multifunktionalen Waldbewirtschaftung, voran.“, so Ohnesorge. Gleichzeitig verschlafen sie Zusehens, sich konstruktiv in den Dialog um eine möglichst klimaeffiziente Holznutzung einzubringen. Eine Übernutzung der Wälder hat zum Klimawandel beigetragen, eine maßvolle Nutzung unserer Wälder wie sie heute in Deutschland Standard ist, trägt aktiv zum Schutz unseres Klimas bei – im letzten Jahr mit 105 Millionen Tonnen eingesparten Kohlendioxids durch die Verwendung von Holz.

http://www.rohholzverbraucher.de/sites/aktuelles_pressemitteilungen.php?kat=&id=144&headline=AGR%20fordert%20Stopp%20der%20Wald-%20und%20Artensterbenskampagne%20des%20Naturschutzes


Womit hier gar nicht gesagt sein soll, dass Forstwirtschaft nicht nachhaltig, multifunktional und integrativ durchgeführt werden kann. Nur – in den Broschüren, in der Argumentation werden all diese Ausdrücke, all diese Formulierungen allzu gerne eingesetzt, um Forderungen nach mehr Naturschutz und schonenderer Forstwirtschaft im Wald abzuwehren, um Kritik an einer zunehmend intensiven, naturzerstörerischen Forstwirtschaft abzuwehren, und um den Eindruck von „eitel Sonnenschein“ in der Forstwirtschaft zu erwecken. Die beharrliche Weigerung, Probleme bei der Bewirtschaftung der Wälder anzuerkennen und anzusprechen, sowie darüber in Diskurs zu treten, ist sehr auffallend: Dem deutschen Wald geht es dank der nachhaltigen, multifunktionalen und integrativen Forstwirtschaft gut, die Forderungen der Naturschützer (bzw. des „ideologischen Naturschutzes“, wie es auch gerne formuliert wird) nach mehr möglichst großflächigen nutzungsfreien Waldgebieten und schonenderer Waldbewirtschaftung sind unsinnig, die Kritik entbehrt jeder Grundlage. Punktum.

( Dies ist jetzt bewusst pointiert formuliert, um die Dinge auf den Punkt zu bringen )



„Wahr ist der Satz, dem nicht entgegen gehalten werden kann, er sei falsch. Dann ist er richtig auf Zeit. Ein Wahrheitsbeweis kann prinzipiell nicht erbracht werden, sondern immer nur ein Gegenbeweis. (…) Es gibt aber eine Kategorie, die wir als Waldlüge bezeichnen wollen. Waldlügen geschehen bewusst. Sie beinhalten vorsätzliche Desinformationen, um eigene Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit durchzusetzen – als Person, als Gruppe oder als Cluster.(Karl-Friedrich Weber)

Bitte im Zusammenhang lesen! Unter „(Fach-)Texte“ / Waldwahrheit-Kommentare / Editorials

http://waldproblematik.de/kommentare-herr-weber/


Hier ein sehr lesenswerter Leserbrief aus einem Förster-Magazin (BDF aktuell 4-2014, das Mitgliedermagazin des Bundes Deutscher Forstleute) zum Thema „Forst- und Holz-Propaganda“:

„In BDF aktuell 3-2014 wird auf Seite 3 das schlechte Image der Forstwirtschaft beklagt.
Die Schlussfolgerungen waren:
• Wir haben zu wenig Öffentlichkeitsarbeit gemacht.
• Wir haben anderen (NatSch)Verbänden das Feld überlassen. [Anm.: „NatSch“ = Naturschutz(-Verbände)]
• Wir tun zwar Gutes, reden aber zu wenig drüber etc.
Das möchte ich kritisch hinterfragen (…)  Was reden wir nicht von Nachhaltigkeit (…) Hier könnte man noch einige Punkte anführen, sie mögen verdeutlichen, dass diese Diskrepanz zwischen dem, was wir aktiv und vehement in unserer (gar nicht so schlechten) Öffentlichkeitsarbeit behaupten, und dem, was im Wald tatsächlich passiert, von den Leuten gesehen und entsprechend bewertet wird. Freilich reden manche Naturschutzverbände recht einseitig daher, aber das ist nur 1/4 der Wahrheit. 3/4 sind unsere eigenen Missstände, die wir verdrängen. (…) Die durch die eigene “Propaganda” getrübte Selbstwahrnehmung driftet immer weiter weg von der Fremdwahrnehmung durch die Bevölkerung. Das ist die wahre Ursache unseres Glaubwürdigkeitsverlustes. Noch mehr und noch bessere Propaganda verschärft da eher das Problem, als es zu lösen. (…) „

http://www.waldkritik.de/?p=375

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Passend zu diesem Leserbrief Aussagen aus einem Interview mit Ulrich Dohle, dem Bundesvorsitzenden des BDF (Bund Deutscher Forstleute) vom 8.12.2016:

„Ausbaufähig empfinde ich unsere Art der Kommunkiation: Wir Forstleute und die ganze Forstbranche argumentieren bisher fast ausschließlich faktenbasiert und mit wissenschaftlichen Ansätzen. Das ist als Basis ja auch durchaus richtig. Das Problem dabei ist aber, dass die Adressaten uns offenbar überhaupt nicht verstehen. Hier müssen wir in unserer Kommunikation nach außen emotionaler werden und unsere Botschaften besser verpacken. Schauen sie den literarischen Erfolg des Försters Peter Wohlleben an. Mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ist er seit Monaten ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Man muss nicht alles gut finden, was in seinem Buch steht, aber er schafft es, komplexe Zusammenhänge des Waldes in eine Sprache zu verpacken, die von Nichtfachleuten verstanden wird. Von dieser Art der Kommunikation können wir einiges lernen. Wenn wir den Wald dagegen weiterhin nur mit betriebswirtschaftlichen oder statistischen Zahlenwerken erklären, werden wir damit keinen Blumentopf gewinnen.“

http://www.forstpraxis.de/wir-muessen-emotionaler-kommunizieren-683428

Fragt sich nur – „fast ausschließlich faktenbasiert“? „mit wissenschaftlichen Ansätzen“? Die Diskussionen mit den Naturschützern entstehen doch gerade deshalb, weil oft alles andere als faktenbasiert und wissenschaftlich, sondern mit jeder Menge Worthülsen argumentiert wird, und Kritik so gut wie immer durchweg als unbegründet abgewiesen wird, und seien die Fakten noch so erdrückend – etwa hier

http://waldproblematik.de/missstaende-niedersachsen/


Eine sehr treffende Analyse der Argumentationsweise der Forst-Seite findet sich hier: „Das Schlachthaus-Paradox

http://franzjosefadrian.com/stadtwalder/der-buckeburger-stadtwald/schlachthof-harrl/

Förster fühlen sich schlecht behandelt und von der Gesellschaft missverstanden. Sie pflegen den Wald, sie produzieren Holz und trotzdem mag die Gesellschaft sie nicht. Deshalb versucht die Forstwirtschaft neuerdings „mit gezielten Kampagnen“, „Veranstaltungen“, und „geschickt angelegten Werbestrategien“  die „öffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen“…


Argumentationsstrategien seitens der Forst- und Holz-Interessengruppen

Franz-Josef Adrian hat auf seiner Website unter „Nationalpark Bayerischer Wald“ eine sehr erhellende Analyse der Argumentationsstrategien der Forst- und Holz-Interessengruppen und der dazugehörigen Politiker vorgenommen: „12 Strategien der PR-Arbeit im Nationalpark“ – nicht nur gültig für den Nationalpark Bayerischer Wald, sondern immer wieder erkennbar bei dem Umgang der Forst- und Holz-Interessengruppen mit der Öffentlichkeit.

http://franzjosefadrian.com/facher/nationalpark-bayerischer-wald/meinungsmache/12-strategien-der-pr-arbeit-im-nationalpark/

Leugnen     /     Verwirren     /     Lügen     /     Ablenken     /     Verschweigen     /     Bagatellisieren     /     Akzeptanz der Bevölkerung     /     Experten     /     Recht und Gesetz     /     Sonntagsreden     /     Denunzieren     /     Schonende Holzernte


Einen weiteren guten Einblick in die Argumentation der Forst-Seite bekommt man durch diesen Post von Franz-Josef Adrian, der den „Streit zwischen Steuer, Panek und Mergner“ im Juni 2014 zum Thema Waldschutzgebiet im Steigerwald wiedergibt und analysiert:

http://franzjosefadrian.com/facher/nationalpark-steigerwald/streit-zwischen-steuer-panek-und-mergner/

sowie durch eine sehr aufschlussreiche Diskussion zwischen dem nordhessischen Buchenwaldschützer Norbert Panek und vier Mitgliedern der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt

http://waldproblematik.de/n-panek/


24.09.2015: Kommentar von Karl-Friedrich Weber aus seiner Facebook-Seite „Waldwahrheit“ zum Argument der Substitution anderer umweltschädlicher Gebrauchsgüter durch Holz

Dieses Argument ist erst dann ernsthaft zu prüfen, wenn wir vorher die Frage beantwortet haben, was überhaupt an Gütern notwendig ist, die wir substituieren müssten und wie langlebig wir diese Güter machen können – es ist die grundsätzliche Frage nach der Suffizienz … in der gegenwärtigen Verschwendungs- und Gebrauchsgesellschaft haben wir Holz nicht in beliebiger Menge zur Verfügung zu stellen, sondern wertentsprechend zu verknappen …

Diese Frage hat nicht die Waldwissenschaft zu beantworten, deren Aufgabe und Sorgfaltspflicht es ist, darauf Aufmerksam zu machen, dass keine Entnahme von Holz aus dem Ökosystem Wald wirklich nachhaltig erfolgen kann. Sie hat die Gesellschaft lediglich wahrheitsgemäß über diese naturgesetzliche Tatsache zu informieren und die Potenziale zu benennen, über die abzuwägen ist.

Die Gesellschaft hat zu beantworten und zu entscheiden, wieviel Verbrauch von Umweltgütern sie trotz dieser Erkenntnis ethisch und moralisch akzeptieren will … und nicht irgendein Vertreter irgendeines forstbetriebswirtschaftlichen Institutes …

Karl-Friedrich Weber


8. 11. 2013 : Kommentar von Karl-Friedrich Weber aus seiner Facebook-Seite „Waldwahrheit“ zur sog. „Waldstilllegung

Waldstilllegung

Viele Diskurse leben von gegensätzlichen Positionen, bei denen tatsächliche Interessen der jeweiligen „Parteien“ gegeneinander gestellt werden und im günstigen Fall zu einem tragfähigen Kompromiss geführt werden. Das ist normal.

Wie aber sind Polarisierungen einzuordnen, die im Ansatz keinen Sinn erkennen lassen und berechtigtes Partikularinteresse schon gar nicht. Was treibt diese Treiber z.B. der Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher? Geht es lediglich um Deutungshoheiten? Was sagen sie zu Chinaexporten der besten Stammholzqualitäten durch staatliche Forstbetriebe, was zum Verheizen verarbeitungsfähiger Sortimente – nur weil der Preis stimmt?
Ein Indiz für fehlende Denktiefe könnte der Gebrauch des Begriffes „Waldstillegung“ sein.

Wie legt man eigentlich einen Wald still? Ich stelle mir das so vor: Alle Tiere verharren starr auf ihrem Platz.

Jeder Stoffwechsel ist unterbrochen.

Das Wasser der Bäche ist erstarrt, ohne gefroren zu sein. Die Fraßgemeinschaft an den Eichen hört auf zu fressen. Das nützt der Eiche überhaupt nicht, weil ihre Blätter ohnehin nicht weiter wachsen.

Fährt ein Forstbediensteter durch einen stillgelegten Wald, ist auch er still, sein Motor ebenfalls. Nicht einmal das Handy klingelt. Alles ist still, alles tot im stillgelegten Wald – und das auf 5% der Waldfläche. Können wir das wollen? Nein!!! Die Funktionäre der Rohstoffindustrie haben recht! Und ihre Netzwerker in den Forstbetrieben auch. Nein, nicht alle – sogar inzwischen wohl nur noch eine Minderheit.

Die Einsicht wächst, dass es für einen Waldmenschen mit Herz für das ihm anvertraute Objekt eine täglich erlebbare wunderbare Erfahrung ist, wenn er in seinem Revier einen als Stilllegungsfläche bezeichneten Wald besucht und in ihm atemberaubende Lebendigkeit erfährt und nur einer still innehält – er selbst.

Karl-Friedrich Weber


15. 10. 2015 :

Die Phrase „Klimawald“ würde gute Chancen haben, in einem entsprechenden Wettbewerb neben „Waldstillegung“ zum zweiten forstlichen Unsinnswort des Jahres 2015 gekürt zu werden.


20. 04. 2016 :

»Die Holznutzung in den fürstlichen Wäldern erfolgt unter strikter Einhaltung des Prinzips der Nachhaltigkeit«, heißt es auf der Internetseite des Fürstenhauses Löwenstein. Jährlich würden rund 36 000 Festmeter Holz eingeschlagen, während gleichzeitig über 40 000 Festmeter nachwachsen würden.
Mit der Reduzierung von Nachhaltigkeit auf die reine Rohstoffbilanz, ohne zu sagen, in welchen Altersphasen die Nutzungsmengen anfallen, betreibt das Fürstenhaus lediglich die gleiche Verdummungspraxis, wie der gesamte Cluster Forst und Holz.

Das ist Täuschung der Öffentlichkeit pur …

[Kommentar anlässlich der haarsträubenden Kahlschläge in FFH-Gebiet- Buchenaltwald des Fürstenhauses Löwenstein im Spessart:

http://www.main-echo.de/regional/kreis-main-spessart/art11878,4066345

und

https://www.youtube.com/watch?v=1UxzUqQFEqQ

Ein "Lotse" durch den Info-Dschungel zur Wald-Problematik in Deutschland